Billiges Geld : Was der Zins-Entscheid für Verbraucher bedeutet

Die EZB will die Wirtschaft in Europa ankurbeln - und senkt dafür den Leitzins. Das hat auch Folgen für private Sparer und Anleger.

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Die Politik des billigen Geldes der EZB in Frankfurt soll die europäische Wirtschaft wiederbeleben.
Die Politik des billigen Geldes der EZB in Frankfurt soll die europäische Wirtschaft wiederbeleben.Foto: AFP

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag den Leitzins auf das historisch niedrige Niveau von 0,5 Prozent gesenkt. Damit will sie vor allem der Wirtschaft in der Euro-Zone wieder Anschub geben, da der niedrige Leitzins auch dafür sorgen kann, dass Kredit für die Unternehmen günstiger werden. Doch auch für Verbraucher und Anleger hat der Zinsschritt von 0,75 auf 0,5 Prozent Folgen.

Die Sparer

Mit den ohnehin schon mickrigen Sparzinsen dürfte es schon in den nächsten Tagen weiter nach unten gehen. Zwar liegt auch die Inflationsrate aktuell nur bei 1,2 Prozent. Aber mit Sparanlagen ist selbst dieses Niveau kaum zu erreichen. Mit Geld auf dem Sparbuch, Festgeld- oder Tagesgeldkonto verliert der Anleger also real einen Teil seiner Geldanlage. Aktuell bringt Tagesgeld im Durchschnitt nicht einmal ein Prozent, bei Festgeld wie Sparbriefen für ein Jahr ist es ebenfalls nicht einmal ein Prozent. Der Zins auf das klassische Sparkonto ist mit weniger als 0,5 Prozent noch dürftiger. Bei Tagesgeld-Anbietern, die mehr als ein Prozent offerieren, gibt es meist einen oder mehrere Haken: Die Laufzeit des höheren Zinses ist begrenzt, er ist an die Eröffnung eines Girokontos oder Depots geknüpft oder er gilt nur für einen bestimmten Betrag.

Alternative Anlagen

Mit weiter sinkenden Zinsen wird die Anlage in Aktien oder Aktienfonds tendenziell attraktiver. Dies ist allerdings wegen der Kosten nur ab bestimmten Mindestbeträgen sinnvoll. Solide Aktien bieten sowohl Chancen mit Blick auf den Kurs als auch die Dividende. Doch besteht natürlich ein Verlustrisiko. Experten raten, nur frei verfügbares Kapital anzulegen und dies mit einem Zeithorizont von mehreren Jahren.

Auswirkungen auf die Kreditzinsen

Der reinen Lehre nach müssten die Zinsen sinken. Aber der Leitzins ist dafür nicht das einzige Kriterium, die langfristigen Zinsen etwa für Bundesanleihen oder Pfandbriefe sind ebenso wichtig. Und die werden von der EZB nur indirekt beeinflusst. So oder so: Banken und Sparkassen lassen sich in der Regel mit einer Senkung der Kreditzinsen länger Zeit als mit einer Senkung der Einlagezinsen. Im Übrigen sind die Kreditzinsen schon jetzt auf einem historisch niedrigen Niveau. Für Zehn-Jahres-Baugeld müssen nur noch gut 2,3 Prozent pro Jahr gezahlt werden, der Zins für Ratenkredite liegt bei sechs bis 6,5 Prozent, einen Autokredit gibt es für knapp vier Prozent. Insofern ist der Spielraum für Banken und Sparkassen gering, die Zinsmarge ist stark geschrumpft. Sie ist aber neben Provisionen im Wertpapiergeschäft für die Institute die wichtigste Einnahmequelle.

Bauherren oder Wohnungsverkäufer

Die Zinsen dürften allenfalls noch marginal sinken. Klar ist: Die Leitzinsen bleiben vorerst im Keller, mindestens bis Mitte 2014, das ließ die EZB am Donnerstag durchblicken. Damit werden sich die Konditionen auch für Baugeld nicht verschlechtern. Es bleibt vermutlich bei weniger als 2,5 Prozent für Zehn-Jahres-Hypotheken. Es gibt also keinen Grund für Hektik bei Kreditentscheidungen.

Der Euro

In der Hoffnung, dass der niedrigere Leitzins hilft, die Konjunktur allmählich aus dem Tal zu holen, könnte der Euro wieder zulegen. Das kommt tendenziell auch Verbrauchern zugute. Es könnte den Preis für Benzin und Diesel drücken, denn Öl wird in Dollar bezahlt. Und für jeden Dollar müssten dann weniger Euros auf den Tisch gelegt werden. Wer in den Urlaub in die USA fährt oder in ein anderes Land, in dem mit Dollar bezahlt wird, bekäme etwas mehr für einen Euro.

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