Wirtschaft : Billigflieger gründen Allianz

Air Berlin übernimmt 24 Prozent an der österreichischen Fluglinie Niki – und erledigt dafür deren Vertrieb und Streckenmarketing

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Berlin/Wien (fw/hub). Die Fluggesellschaft Air Berlin und die neue Luftfahrtgesellschaft des früheren Formel 1Piloten Niki Lauda haben die erste Allianz im europäischen Billigflugsektor geschlossen. Air Berlin wird 24 Prozent der österreichischen N.L.-Luftfahrt GmbH (Niki) übernehmen, kündigte Air-Berlin-Geschäftsführer Joachim Hunold am Freitag in Wien an. Im Gegenzug werde Air Berlin für Niki den Vertrieb und das Streckenmarketing erledigen. Damit sei der Kauf des Anteils „verrechnet“, sagte Air Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel. Kosten hat die Berliner Billigfluglinie also kaum. Die Dienstleistungen für Niki bedeuteten auch keinen nennenswerten Mehraufwand für Air Berlin, sagte Hauptvogel. Das Berliner Unternehmen profitiert nun vom Niki-Streckennetz.

Die Allianz ist ein weiterer Konsolidierungsschritt in der europäischen Billigflugsparte. Zuvor hatte die britische Easyjet bereits Go übernommen, kurz darauf kaufte Ryanair Buzz. Experten sehen den Deal als positiv für beide Gesellschaften. „Air Berlin kann so ohne Kapitalaufwand stärker werden“, sagte Luftfahrtexperte Dieter Schneiderbauer von der Unternehmensberatung Mercer dem Tagesspiegel. Niki habe allein kaum eine Chance auf dem Markt gehabt, sagte Schneiderbauer. Air Berlin ist eigenen Angaben zufolge der Passagierzahl nach die zweitgrößte Luftfahrtgesellschaft in Deutschland. Ursprünglich war das Unternehmen ein reiner Charterflieger, inzwischen macht die Zahl der Tickets, die ohne Hotelbett verkauft werden, 50 Prozent der Verkäufe aus.

Niki soll mit seinen Airbussen in das Air-Berlin-Drehkreuz in Palma de Mallorca eingebunden werden. Ziel der Allianz sei die gemeinsame Erschließung des osteuropäischen Marktes. Ab 16. Februar werde Niki einen Code-Share-Flug Wien-Düsseldorf übernehmen. Air Berlin fliegt auf der Strecke bereits zweimal täglich – und wollte ohnehin eine dritte Verbindung schaffen. Auch die Vielflieger-Programme der beiden Airlines sollen künftig gegenseitig angerechnet werden. Lauda verfügt über zwei Airbusse A320 und A321. Ende April sollen zwei weitere Modelle vom Typ A320 hinzukommen.

Niki ist die ehemalige österreichische Tochter des insolventen deutschen Charterfliegers Aero Lloyd, die Niki Lauda im Herbst 2003 übernommen hatte. Lauda hatte bereits während seiner Zeit als Formel-1-Fahrer seine eigene Fluglinie „Lauda Air“ gegründet. Mitte der Neunziger verkaufte er sie an Austrian Airlines. Die Marke Lauda existiert als Chartertochter der AUA aber bis heute.

Air Berlin ist bereits jetzt eine starke Marke am Flughafen Wien-Schwechat – sie ist in Österreich mit 439 000 Passagieren die drittgrößte Airline.

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