Wirtschaft : Billigflieger helfen nicht aus der Krise

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Von Flora Wisdorff

Es ist Ende Mai. Der Start der Urlaubssaison hat praktisch schon begonnen. Die Charterflugzeuge stehen bereit, die Hotelbetten sind hergerichtet. Normalerweise reiben sich die Preussag, Thomas Cook oder FTI um diese Zeit die Hände. Denn im Sommer erwirtschaften die Tourismuskonzerne das Gros ihrer Umsätze. Nicht dieses Jahr. In diesem Jahr denken die Reisekonzerne darüber nach, wie sie die Umsatz- und Gewinneinbußen kompensieren können. Die Preussag machte im ersten Quartal dieses Jahres 14 Prozent weniger Umsatz. Der Terror in New York und auf Djerba hat selbst den Reiselustigsten mehr Angst gemacht, als die Unternehmen erwartet hatten. Dazu kommt die allgemeine Konsumunlust. Da ist es kein Wunder, dass die Preussag jetzt auf die Idee kommt, eine Billigfluglinie aufzumachen. Billig geht im Moment ja ganz gut, mag sich Preussag-Chef Michael Frenzel gesagt haben. Und andere haben ja auch Erfolg damit.

Für die Preussag ist das aber nicht der richtige Weg. Das Unternehmen hat sich als Touristikmarke etabliert und wird sich demnächst komplett in TUI umbenennen - als Markenartikler unter den Reiseanbietern. Mit der Integration der unterschiedlichen Marken und der Zusammenführung der Unternehmensteile hat die Firma erst einmal genug zu tun. Jetzt noch eine Billigfluglinie zu starten und sie zu etablieren, dürfte selbst für den Weltmarktführer zu viel sein.

Die Preussag sagt, sie wolle die Terrorangst nicht mehr in den Vordergrund ihrer Überlegungen stellen. Das ist richtig. Falsch ist jedoch, die Krise zu verneinen. Zwar hat die Preussag als größter Touristikkonzern gute Möglichkeiten, nächstes Jahr wieder durchzustarten – aber nur, wenn sie weiter konsequent Kosten spart. Dazu gehört die Anpassung an die neuen Bedingungen. Und nicht die Gründung einer Billigfluglinie.

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