Billigflieger : Ryanair zieht Übernahmeofferte für Aer Lingus zurück

Wegen massiver wettbewerbsrechtlicher Bedenken der EU-Kommission hat Europas größter Billigflieger Ryanair seine Übernahmeofferte für den irischen Konkurrenten Aer Lingus vorerst zurückgezogen.

London/Brüssel - Ryanair kündigte an, nun zunächst den Ausgang der bis Mai andauernden Prüfungen durch die Brüsseler Behörde abwarten zu wollen. Sollte die Kommission grünes Licht für die Übernahme geben, werde Ryanair dann ein neues Angebot vorlegen, erklärte das Unternehmen. Die Kommission hatte deutlich gemacht, dass sie einen Zusammenschluss der beiden dominierenden irischen Fluglinien für wettbewerbsrechtlich problematisch hält.

Die oberste europäische Kartellbehörde kam in ihren bisherigen Prüfungen zu dem Schluss, dass die Übernahme das Angebot für die Kunden reduzieren und zu höheren Flugpreisen führen könnte. Die Kommission räumte sich selbst deshalb fünf zusätzliche Monate bis zum 11. Mai für eine "vertiefte Untersuchung" ein. Ihre oberste Priorität dabei sei, dass die Verbraucher "weiterhin von einem konkurrierenden Angebot an Flugdienstleistungen profitieren" könnten, kündigte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes an.

Kalte Dusche für Ryanair-Chef

Die Ankündigung ist eine kalte Dusche für Ryanair-Chef Michael O'Leary. Er hatte sich im Vorfeld optimistisch gezeigt, dass die Brüssseler Behörde keine Einwände geltend machen würde. O'Leary reagierte nun enttäuscht auf die "Verzögerung" im Prüfverfahren. Zugleich äußerte er die Erwartung, dass die Kommission letztlich doch noch zustimmen werde. Ryanair hatte am 5. Oktober das feindliche Übernahmeangebot in Höhe von 1,48 Milliarden Euro für die kurz zuvor teilprivatisierte Aer Lingus vorgelegt. Bereits zu diesem Zeitpunkt hielt Ryanair einen Aktienanteil von 25 Prozent an dem Konkurrenten. Seither ist es dem Unternehmen aber nur gelungen, diesen Anteil um einen weiteren Prozentpunkt zu steigern. Für die Übernahme sind 50,1 Prozent erforderlich.

Die Übernahme stößt nicht nur bei Aer Lingus selbst, sondern auch bei der irischen Regierung auf Widerstand. Der Staat hält weiterhin einen Anteil von 25,35 Prozent an der Fluggesellschaft. Mit der Übernahme von Aer Lingus würde Ryanair, das bislang nur Flugziele in Europa und Marokko ansteuert, erstmals in den Transatlantikverkehr einsteigen. Aer Lingus fliegt neun Ziele in den USA an. Zusammen würden beide Linien rund 50 Millionen Passagiere im Jahr befördern. Aer Lingus befördert auf seinen 78 Routen jährlich etwa 15 Millionen Passagiere. Ryanair hat auf seinen 419 Routen etwa 35 Millionen Fluggäste im Jahr. (tso/AFP)

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