Wirtschaft : Billigflieger-Strategie bringt Condor voran

Fluglinie will wieder neue Mitarbeiter einstellen

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Ein Jahr nach dem Beginn der Sanierung hat der Ferienflieger Condor ein gutes Stück des Weges geschafft. „Unser Kostensenkungsziel ist zu zwei Dritteln umgesetzt“, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup am Mittwoch in Oberursel bei Frankfurt. Die Auslastung der Flugzeuge ist mittlerweile so gut, dass Condor im Herbst rund 100 Mitarbeiter für Cockpit und Kabine neu einstellen will. Auch 2006 sollen neue Mitarbeiter angeheuert werden.

Für das laufende Geschäftsjahr 2004/2005, das Ende Oktober abgeschlossen wird, peilt Teckentrup einen Betriebsgewinn von bis zu 15 Millionen Euro ein. Im Vorjahr hatte das Tochter-Unternehmen von Thomas Cook, Europas zweitgrößtem Reisekonzern, noch einen Verlust von 38 Millionen Euro gemacht. Im ersten, durch die Wintersaison traditionell schwierigeren Halbjahr, konnte Condor das Ergebnis bereits um fast 40 Prozent auf minus 32 Millionen Euro drücken. Teckentrup macht dafür die Senkung der Kosten und einen deutlich verbesserten Verkauf von Einzeltickets verantwortlich. Damit meint er die Billigflieger-Strategie von Condor. Seit einem Jahr verkauft die Fluggesellschaft auch Tickets direkt an den Kunden, die Preise starten bei 29 Euro für eine Kurzstrecke und 99 Euro für die Langstrecke. 14 bis 18 Prozent der Flugscheine verkauft Condor nach Angaben von Teckentrup zu diesen Preisen. Zuvor ist der Ferienflieger fast ausschließlich im Auftrag von Reiseveranstaltern geflogen. Der Konkurrent Air Berlin hat seinen Einzelplatzverkauf bereits auf über 50 Prozent gesteigert und so die sinkenden Aufträge der Veranstalter kompensiert. Bei Condor werden nun gut ein Drittel der Tickets direkt verkauft, mittelfristig sollen es 40 Prozent werden. Die Zahl der beförderten Fluggäste stieg vor allem durch den Einzelplatzverkauf im ersten Halbjahr um 7,4 Prozent. Die Auslastung der Flugzeuge lag bei 84,5 Prozent. Im gesamten Geschäftsjahr will Condor rund 7,6 Millionen Passagiere transportieren.

Ähnlich wie Lufthansa wird Condor ab 2006 den Reisebüros keine Provisionen mehr zahlen. Ab 1.November gilt eine Übergangsfrist, in der den Reisebüros für Kurzstrecken-Tickets sieben, für die Mittelstrecke zwölf und für die Langstrecke 18 Euro vergütet werden. Condor-Chef Teckentrup erwartet, dass die Verträge dafür unterschrieben werden. Die Konditionen seien ein Kompromissvorschlag.

Von den Ende 2003 als Ziel für den Kostenabbau angepeilten 160 Millionen Euro bis zum Ende des Geschäftsjahres 2005/2006 hat Condor bereits 102 Millionen Euro gespart, auch durch den Abbau von rund 400 der vor einem Jahr noch gut 2850 Arbeitsplätze.

Die zusätzlichen Belastungen durch die Flutkatastrophe in Asien und die hohen Treibstoffpreise wird Condor in diesem Jahr nach Ansicht von Teckentrup verkraften können. Die Kosten für die Rückholung von Reisegästen aus Thailand, Sri Lanka und den Malediven im Januar und für die Stornierungen und nicht getätigten Buchungen für Reisen in die Region in den Monaten nach der Flutkatastrophe beziffert der Condor-Chef mit zehn bis zwölf Millionen Euro, den Mehrbedarf für Treibstoff mit 45 Millionen Euro. Nur etwa die Hälfte davon könnten durch Treibstoffzuschläge wieder reingeholt werden.

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