Wirtschaft : Billigfluglinien rollen auf die Startbahn

MARTINA OHM

Seit vergangenem Herbst wird bei der Lufthansa an einer neuen Fluggesellschaft gearbeitet / Machbarkeitsstudie zum SparpotentialVON MARTINA OHMAuch die Deutsche Lufthansa kämpft mit dem Markt.Will sie gutes Geschäft nicht tatenlos der Konkurrenz überlassen, wird der Kranich früher oder später mit einer eigenständigen Billig-Fluglinie auf die Startbahn rollen.Noch gibt es dafür zwar vom Vorstand kein grünes Licht und von billig soll - Vorsicht Imageschaden ! - schon gar keine Rede sein.Im Endeffekt aber läuft alles darauf hinaus.Nicht erst seitdem British Airways mit ihrem gerade aus der Taufe gehobenen Billig-Flieger vorexerziert, wie man künftig in bestimmten Marktsegmenten Nachfrage und Angebot auf lukrative Weise miteinander in Einklang bringen will, wird in der Frankfurter Zentrale darüber gebrütet, wie der immer härteren Konkurrenz begegnet werden kann.In einer Machbarkeitsstudie mit dem technischen Arbeitstitel "Neues Geschäftssystem" unter Federführung von Betriebswirt Peter Andres wird seit vergangenem Herbst an einem neuen "Produktionskonzept" vornehmlich für die sogenannten dezentralen Routen, das heißt außerhalb der großen Drehkreuze Frankfurt(Main) und München, gearbeitet. Von einer eigenständigen Gesellschaft verspricht sich das Lufthansa-Management eine günstigere Kostenstruktur.Vor allem auf den innerdeutschen Routen, die das Unternehmen nach wie vor nicht kostendeckend betreiben kann, soll sich etwas ändern.Nach wie vor fliegt Lufthansa hier jährlich Verluste in dreistelliger Millionenhöhe ein.Damit soll Schluß sein.Mit einer Billigfluglinie könnten die Tarife deutlich gesenkt werden.Genau hier aber fangen die Schwierigkeiten an.Wenn es ums Geld geht, haben im Hause Lufthansa etliche ein Wörtchen mitzureden - sowohl Vertreter der DAG als auch der ÖTV; und damit der Konzern-Wirtschaftsausschuß, dem Vertreter beider Gruppen angehören.Auch die Flugbegleiter haben schon mal vorsorglich ihr Veto eingelegt.Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation UFO hält die Gründung einer Billig-Airline jedenfalls für den falschen Weg aus den roten Zahlen.Einsparpotential, so Geschäftsführer Otto Ziegelmeier, läge eher in der Arbeitsorganisation, den komplizierten Abfertigungsverfahren und suboptimalen Dienstplänen. Entsprechend schwer tut sich auch der Vorstand mit der Umsetzung des Projektes.Denn was für die Gewerkschaftsvertreter im Zweifelsfalle eine Selbstverständlichkeit ist, muß das Management noch lange nicht so akzeptieren.Eine Übernahme der Gehaltstarifstruktur jedenfalls kann für die Lufthansa-Führung kaum in Frage kommen.Bis zum Jahr 2001 gewährt der geltende Tarifvertrag den Lufthanseaten verläßliche Konditionen - und das soll auch so bleiben.Würde Lufthansa allerdings bei der neuen Gesellschaft nicht die Mehrheit kontrollieren, wären auch die geltende Tarife kaum zu halten.Natürlich sind die Personalkosten nicht das alles Entscheidende.Ein Fünftel der Gesamtkosten entfallen auf den Bereich. Es versteht sich also von selbst, daß auch in anderen sogenannten Produktionsbereichen nach Sparpotential geforscht wird.Keine Sache von heute auf morgen: Bereits am vergangenen Dienstag, als das Thema auf der Tagesordnung stand, ließ sich der Vorstand mit den einschlägigen Erörterungen auffallend lange Zeit und - vertragte sich kurzerhand.Aufgeschoben freilich heißt nicht aufgehoben."Der Vorstand sieht die erreichbaren wirtschaftlichen Verbesserungen noch nicht als ausreichend an", ließ Lufthansa in einer Pressemitteilung kurz und knapp erklären.Es gebe in Einzelbereichen noch Klärungsbedarf, etwa in der Frage der Automatisierung oder der Gebühren.Das wiederum dürfte dann auch die Reisebüros und ihre Verbände interessieren, die schon seit geraumer Zeit mit Lufthansa über das angemessene Niveau von Provisionen debattieren. Immerhin ist man im Hause Lufthansa nun soweit, daß die Planungen ganz offiziellen Charakter bekommen haben.Die neue Gesellschaft soll innerdeutsche und europäische Flugrouten bedienen, die die großen Drehkreuze Frankfurt und München außen vor lassen.Das "neue System", mit eigener Marke, eigenem Management und eigenem Personal ausgestattet, könnte zunächst mit sechs bis 14, später mit über 30 Maschinen, so die Überlegungen, an den Start rollen.Abwarten und nichts tun kann jedenfalls nicht länger die Devise sein.

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