Wirtschaft : Billighäuser sind in Deutschland auf dem Vormarsch

Das 1500-DM-Objekt ist inzwischen Realität / Aber Krise auf dem Bau hält an / 100 000 Stellen sind allein in diesem Jahr gefährdet

BONN/LEIPZIG (AFP/MS).Die von der Bundesregierung vor zwei Jahren gestartete Initiative zur Kostensenkung im Wohnungsbau hat nach Angaben der Staatssekretärin des Bundesbauministeriums, Christa Thoben, zu einer deutlich gestiegenen Zahl von Baugenehmigungen geführt.So sei Bauherren verständlich aufbereitetes Informationsmaterial über kosten- und flächensparendes Bauen angeboten worden, mehrere baurelevante Gesetzesneuerungen seien auf den Weg gebracht sowie zähe Verhandlungen mit Handwerksverbänden und Versorgungsunternehmen geführt worden, um die Sparpotentiale auszuschöpfen, berichtete Thoben am Montag in Bonn.Sie räumte zugleich ein, daß der Weg durch die Behörden für eine Baugenehmigung vielfach noch zu lang sei.Thoben lobte, daß sowohl die Bauwirtschaft als auch die Kommunen inzwischen begriffen hätten, daß Bauen einfacher und erschwinglicher werden müsse. Nahezu täglich kommen nach den Worten der Staatssekretärin neue Angebote kostengünstiger Bauformen auf den Markt, für die eine erhebliche Nachfrage von Seiten junger Familien bestehe.Der Durchbruch sei geschafft.Thoben verwies auf eine vom Bauministerium geförderte Marktübersicht der Verbraucherverbände, die 170 kostengünstige Typenhäuser enthalte.Darin seien zahlreiche Angebote mit reinen Baukosten unter 2000 DM pro Quadratmeter aufgeführt; es gebe sogar Angebote von rund 1500 DM/qm. Dennoch muß sich die deutsche Bauindustrie sich weit länger auf Krisenzeiten einrichten, als bisher befürchtet.Wie Heiko Stiepelmann vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie im Vorfeld der am Mittwoch beginnenden Baufachmesse Leipzig erklärte, werde auch 1998 die allmähliche Stabilisierung im Westen noch nicht soweit gediehen sein, daß man schon wieder in den positiven Bereich komme.Er rechne ähnlich wie in diesem Jahr mit einem Rückgang von mindestens einem Prozent.Wesenlich dramatischer verläuft die Entwicklung im Osten Deutschlands und hier besonders im Bauhauptgewerbe.Nach den spürbaren Einbrüchen in diesem Jahr erwartet der Dachverband für das nächste Jahr eine Einbuße von 8 Prozent.Bereits in diesem Jahr werde die Baukrise anstelle der bisher prognostizierten 80 000 "wohl eher 100 000 Stellen kosten, rund die Hälfte davon in den neuen Bundesländern", so Stiepelmann.Insgesamt sind im deutschen Bauhauptgewerbe noch rund 1,2 Millionen Menschen beschäftigt.Als Ursachen nennt der Verband die Überkapazitäten in der Branche - zwischen 15 bis 20 Prozent in den neuen Bundesländern -, eine falsche öffentliche Investitionspolitik und die Konkurrenz aus Billiglohnländern.

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