Billigkaufhaus : Woolworth Deutschland stellt Insolvenzantrag

Die Kaufhauskette Woolworth Deutschland hat einen Insolvenzantrag gestellt. Im Februar hatte der damalige Unternehmenschef noch zuversichtlich in die Zukunft geschaut.

Frankfurt/MainDer Antrag des Unternehmens sei bereits am vergangenen Samstag eingegangen, teilte das Frankfurter Amtsgericht mit. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der ansässige Rechtsanwalt Ottmar Hermann bestellt, der seit der vergangenen Woche auch den insolventen Autozulieferer Karmann betreut.

Das operative Geschäft von Woolworth Deutschland gehört dem Finanzinvestor Argyll. Das Unternehmen betreibt 323 Filialen und beschäftigt etwa 11.000 Menschen. Für das Geschäftsjahr 2007/08 (bis Ende Oktober) war ein Umsatz von rund 900 Millionen Euro
angepeilt worden. Genaue Zahlen liegen nicht vor.

Insolvenz der britischen Schwester kostete 27.000 Arbeitsplätze

Noch im November hatte sich Woolworth auf Wachstumskurs gesehen, im Februar sah der damalige Vorstandschef Robert Brech die Lage trotz Krisensituation im Handel als "stabil". Doch der erst Anfang März als Brechs Nachfolger berufene ehemalige Lidl-Manager Stefan Rohrer warf nach wenigen Wochen wieder das Handtuch und ist nur noch als Berater des Unternehmens tätig. Zu den Gründen seines Rückzugs von der Unternehmensspitze hatte das Unternehmen damals keine Angaben gemacht.

Bereits 1997 hatte die US-Muttergesellschaft alle Filialen in ihrem Stammland geschlossen. Das deutsche Geschäft hatte sie 1998 an den Finanzinvestor Electra verkauft, der sie Ende 2007 wiederum an Argyll veräußerte. Die britische Woolworth-Schwester schloss Anfang des Jahres die Pforten der letzten von einst mehr als 800 Läden. 27.000 Mitarbeiter verloren dort in der Insolvenz den Arbeitsplatz.

Experten: Warenhäuser sind auslaufendes Geschäftsmodell

Die Rezession hat die Probleme vieler Einzelhandelsketten in Deutschland verschärft. Sie erschwert die Aufnahme von Krediten. Vor allem Warenhäuser sind für Experten ein Auslaufmodell. Deren hohe Unterhaltskosten nagen an den mageren Renditen, die Kunden gehen lieber zu Discountern oder Fachhändlern. (rf/dpa/Reuters)

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