Wirtschaft : Billigmarkendrängen auf den Mobilfunkmarkt

Der britisch-dänische Anbieter Easymobile kooperiert mit T-Mobile / Experten erwarten Preiskampf

Flora Wisdorff

Berlin - Der Preiskampf auf dem Mobilfunkmarkt wird immer stärker. Auch die britische Discount-Marke Easymobile will nun auf den deutschen Markt drängen. „Wir haben mit T-Mobile einen Vertrag über den Netzzugang geschlossen“, sagte Easymobile-Deutschland-Chef Frank Rasmussen dem Tagesspiegel am Montag. Noch vor Dezember werde das neue Angebot gestartet, sagte er. „Die Preise werden sehr wettbewerbsfähig sein“, kündigte Rasmussen an. In Großbritannien liegt der Tarif derzeit bei 15 Pence pro Minute – das sind 22,4 Cent. Eine SMS kostet dort umgerechnet 8,3 Cent.

In Deutschland sind allein in den letzten Tagen zwei neue Billiganbieter an den Start gegangen: Die Büdelsdorfer Mobilcom mit dem Anbieter Klarmobil.de will in dieser Woche anfangen und ebenfalls das Telekom-Netz benutzen. Der Tarif soll 18 Cent betragen, Kurzmitteilungen zwischen zwölf und 14 Cent kosten. Bei Simyo, dem ersten Mobilfunk-Discounter in Deutschland, der im Mai ans Netz gegangen war, kostet eine Minute Telefonieren 19 Cent, eine SMS 14 Cent. Der Anbieter Blau.de, der auf das Netz von E-Plus setzt, hat am vergangenen Freitag seinen Tarif bekannt gegeben: 17,9 Cent für die 100000 ersten Kunden, danach steigt der Preis auf 18,9 Cent pro Minute. Eine SMS kostet 12,9 Cent. Blau.de ist von den drei Gründern des Klingeltonanbieters handy.de gegründet worden. Handy.de war 2001 von Bertelsmann gekauft worden.

Die Anbieter setzen alle, ähnlich wie beim Geschäftsmodell der Billigflieger, auf das Sparen beim Vertrieb. Die Sim-Karten kann man nur über das Internet bestellen, es gibt auch keine Gratis-Handys. Vertragsgebühren gibt es nicht. Beratung bekommt man entweder über ein Call-Center oder ebenfalls über das Internet.

Easymobile ist die Marke des Gründers des Billigfliegers Easyjet, Stelios Haji-Ioannou. Der Grieche hat in Großbritannien ein ganzes Firmenimperium aufgebaut: Easycinema, Easypizza oder Easyinternet gehören ebenfalls dazu. Alle verfolgen das gleiche Geschäftsmodell: möglichst günstiger zu sein, weil man am Vertrieb und Extras einspart. Allerdings ist Easyjet das einzige Unternehmen, das bisher einen Gewinn erwirtschaftet.

Easymobile ist eine Kooperation mit dem dänischen Telekommunikationskonzern TDC, dessen Chef Frank Rasmussen auch Chef von Easymobile Deutschland ist. Rasmussen hatte vor drei Jahren in Dänemark das Unternehmen Telmore gegründet, das dort das Geschäftsmodell Discount-Mobiltelefone als Erster in Europa eingeführt hat. TDC hat Telmore übernommen. Telmore hat laut Rasmussen in Dänemark zehn Prozent Marktanteil. In Großbritannien sei der Anteil jedoch noch „sehr gering“, sagt Rasmussen. Dort ist Easymobile vor einem halben Jahr an den Markt gegangen. In den Niederlanden soll Easymobile ebenfalls noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

In Deutschland sei er allerdings „sehr optimistisch“, sagte Rasmussen. Er begründet seinen Optimismus mit dem Erfolg, den Simyo seit Mai hat. „Das ist der richtige Zeitpunkt jetzt“, sagt Rasmussen. Branchenschätzungen zufolge hat Simyo bereits 200000 Kunden. Das Unternehmen selbst will keine konkreten Zahlen nennen, betont jedoch, dass das Geschäft „positiv und besser als erwartet“ laufe, sagte eine Sprecherin.

Experten erwarten, dass es bald noch weitere Discount-Angebote auf dem deutschen Markt geben wird. „Die Platzhirsche müssen jetzt alle nachziehen“, sagt Telekom-Analyst Theo Kitz von SES Research. „Der Preiskampf wird noch härter werden.“

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