Wirtschaft : Binnennachfrage könnte langsam wieder anziehen OECD rechnet für 2005 mit mehr Wachstum

A. Waldermann/C. Visser

Berlin - Die Wirtschaft in Deutschland wird 2005 stärker wachsen als in diesem Jahr. Davon geht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus. Zwar werde das absolute Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent 2004 auf 1,2 Prozent 2005 zurückgehen. Bereinigt um die geringere Zahl an Arbeitstagen 2005 werde das Wachstum tatsächlich aber zulegen, erklärte Eckhard Wurzel, Deutschlandexperte der OECD. Er warnte aber vor einem weiteren Anstieg der Ölpreise und des Eurokurses. „Die Robustheit der deutschen Volkswirtschaft gegenüber externen Schocks ist sehr gering.“ Am Dienstag kletterte der Euro zwischenzeitlich auf das Rekordhoch von 1,3334 Dollar.

Besonders erfreulich: Nach Jahren eines allein exportgestützten Wachstums sieht die OECD nun auch die Binnennachfrage im Aufwind. „Es ist zwar nur eine graduelle Verbesserung“, sagte Wurzel. „Aber wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum in den inländischen Bereich hinein verbreitern wird.“ Nach einem Minimalwachstum 2004 von 0,3 Prozent werde die inländische Nachfrage 2005 um 0,9 Prozent und 2006 um 1,8 Prozent steigen. „Ab 2006 gehen wir von einem selbsttragenden Aufschwung der heimischen Wirtschaft aus“, sagte Wurzel. Vor allem die steigende Nachfrage nach Investitionsgütern trage diese Entwicklung. Schon im dritten Quartal 2004 seien die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland gestiegen. Der Konsum hingegen werde auch weiterhin kaum zum Wachstum beitragen. Als Grund nannte Wurzel die hohe Arbeitslosigkeit.

Optimistisch ist die OECD auch mit Blick auf das Staatsdefizit. Nach einer Neuverschuldung in Höhe von 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2004 werde das Minus 2005 nur 3,5 Prozent betragen. 2006 werde das Defizit sogar auf 2,7 Prozent und damit unter die Maastricht-Grenze von drei Prozent sinken. Für den Arbeitsmarkt gab die OECD aber noch keine Entwarnung: Die Arbeitslosenquote werde sich 2005 noch leicht erhöhen, und zwar von 9,2 auf 9,3 Prozent. Erst für 2006 prognostiziert die OECD einen Rückgang auf 8,9 Prozent.

Die Bundesregierung erwartet für die kommenden Jahre ebenfalls ein stabiles Wachstum. Laut Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires rechnet sie in ihrem Stabilitätsprogramm für die Jahre 2006 bis 2008 mit jährlichen Wachstumsraten von 1,75 Prozent. Für 2005 nimmt die Regierung weiter ein Wachstum von 1,7 Prozent an.

Auch die Computer- und Telekommunikationsbranche gibt sich zuversichtlich. Nach einem Umsatzplus in diesem Jahr von 2,5 Prozent erwartet sie für 2005 sogar 3,4 Prozent. Die Branche werde wieder zu einem Zugpferd für die Gesamtwirtschaft, sagte Willi Berchtolt, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. Besonders gut entwickelten sich die Bereiche Software, IT-Dienstleistungen und Mobilfunk. Hier würden rund 10 000 Arbeitsplätze neu entstehen.

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind dagegen nur verhalten optimistisch. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA sind die Auftragseingänge im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat zwar um vier Prozent gestiegen. In den Monaten August bis Oktober hatte das Plus aber noch bei elf Prozent gelegen. Vor allem das Wachstum im Inland ging zurück: von sieben auf zwei Prozent.

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