Wirtschaft : Bio-Boom überfordert Bio-Bauern

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Bio-Möhren und Öko-Kartoffeln galten lange Zeit als Nahrung für einige Wenige. Schrumpelig, unansehnlich und teurer lagen sie in den Holzregalen der Fachmärkte, bis sich ein sandalenbeschuhter Käufer mit Hanftasche ihrer erbarmte. Doch damit ist es endgültig vorbei. „Es gibt einen starken Bio-Boom“, sagt Ulrich Hamm, Spezialist für Agrar- und Lebensmittelmarketing von der Universität Kassel. 2005 setzte der deutsche Handel bereits 3,9 Milliarden Euro mit Bioprodukten um, auch im vergangen Jahr habe es zweistelliges Wachstum gegeben, sagt Hamm.

Die Nachfrage ist deutlich gestiegen, seit viele Discounter Bio-Produkte preisgünstig als Massenware verkaufen und auch immer mehr Bio-Supermärkte auf den Markt drängen.

Doch die überraschend anziehende Nachfrage überfordert die Hersteller. Schon jetzt gibt es nach Angaben von Erzeugerverbänden wie Bioland Engpässe bei Bio-Milch, Fleisch und einigen Getreidesorten. Hafer ist nicht mehr zu bekommen, auch nicht bei europaweiter Suche. „Selbst bei normalen Ernten wird es in den nächsten zwei Jahren Versorgungsengpässe bei Bio-Lebensmitteln geben“, prophezeit Marketing-Experte Hamm.

Das liegt nicht nur daran, dass Bauern zwei bis drei Jahre brauchen, um ihre Höfe auf Öko-Produktion umzustellen. Ein weiterer Grund ist die steigende Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen für Bio-Sprit, mit denen die Öko-Bauern um Fläche konkurrieren. „Vielen jüngeren Landwirten erscheint der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen finanziell attraktiver zu sein“, sagt Hamm.

Die Preise für Bio-Lebensmittel sind bereits kräftig angestiegen. So kostete ein Kilo Bio-Möhren im Discounter nach Angaben der Zentralen Preisberichtsstelle der Landwirtschaft (ZMP) im November 2005 noch 1,86 Euro. Ein Jahr später waren es bereits 2,28 Euro. „Die Beschaffung ist teurer geworden“, sagt ZMP-Fachfrau Antje Kasbohm. Rund 75 Prozent der Bio-Möhren würden bereits im Discounter verkauft.pet

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