Wirtschaft : Bio boomt trotz steigender Preise

Heimische Ökobauern können die Nachfrage längst nicht mehr befriedigen. 2008 erwartet die Branche ein zweistelliges Wachstum.

Maren Peters
Biogemüse
Schon heute stammt mehr als die Hälfte des Bioobsts und -gemüses aus dem Ausland. Deutsche Biobauern kommen mit der Produktion...Foto: ddp

Berlin - Trotz höherer Preise haben Verbraucher auch 2007 verstärkt zu Biomöhren und Ökofleisch gegriffen. Nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle der Agrarwirtschaft (ZMP) stieg der Umsatz der Biobranche nach vorläufiger Schätzung insgesamt um 15 Prozent auf mehr als fünf Milliarden Euro. Auch für das neue Jahr rechnet die ZMP mit hohen Wachstumsraten. „Der Biomarkt wird 2008 garantiert wieder zweistellig wachsen“, sagte Paul Michels, der Chef der Marktforschung, im Vorfeld der weltgrößten Agrarmesse Grüne Woche. Verbraucher müssten sich – wie bei konventionellen Lebensmitteln auch – aber auf weiter steigende Preise einstellen.

Schon im vergangenen Jahr hatten die deutschen Einzelhändler ihre Kunden kräftig zur Kasse gebeten. Übers Jahr gesehen verteuerten sich Lebensmittel (einschließlich der Bioware) nach ZMP-Angaben um bis zu ein Drittel. Für Milch und Milchprodukte mussten Verbraucher im Dezember 2007 sogar 28,6 Prozent mehr bezahlen als im Dezember 2006. Geflügel verteuerte sich im Jahresvergleich um 20,4 Prozent, Gemüse um 10,3 Prozent, Eier kosteten 9,5 Prozent und Brot 8,5 Prozent mehr.

Die Hersteller hatten im vergangenen Jahr unter anderem Witterungseinflüsse und die stärkere weltweite Nachfrage für den Preisanstieg verantwortlich gemacht. Die hohen Lebensmittelpreise trieben zusammen mit der höheren Mehrwertsteuer und gestiegenen Energiepreisen die Inflation auf 2,2 Prozent nach oben. „Die Erzeugerpreise sind gestiegen, das hat auch in der Biobranche zu Preiserhöhungen geführt“, sagte ZMP- Ökoexpertin Antje Kasbohm. Der Preisanstieg habe stärker zum Umsatzwachstum beigetragen als das Mengenwachstum.

Aber auch das größere Angebot stimuliert die Nachfrage. Inzwischen gibt es keinen Discounter, der keine Bio- Ecke eingerichtet hätte. Das geht so weit, dass Aldi-Süd seinen Kunden bei Möhren gar keine Wahl mehr lässt: Wer sie kauft, muss zwangsläufig zu Bioware greifen, eine konventionelle Alternative gibt es nicht mehr. Auch das hat dazu beigetragen, dass der Anteil der Biomöhren bereits ein Fünftel des Gesamtmarktes abdeckt. Bei Bananen liegt der Anteil der Ökoware inzwischen bei neun Prozent. „Der Lebensmitteleinzelhandel hat das Biosegment für sich entdeckt und will sich damit profilieren“, sagte ZMP-Marktforscher Michels. „Das treibt den ganzen Markt nach oben.“

Zum starken Wachstum tragen neben Discountern besonders die Biosupermärkte bei, die kleinere Fachmärkte immer stärker verdrängen. Alnatura, die größte deutsche Supermarktkette für Biolebensmittel, steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf 246 Millionen Euro, Konkurrent Basic brachte es sogar auf ein Plus von 37 Prozent und fast 100 Millionen Euro Umsatz. Nach Angaben des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) eröffneten allein im vergangenen Jahr 70 neue Biosupermärkte. Insgesamt brachte es der Fachhandel 2007 auf ein Umsatzwachstum von 14 Prozent. „Für 2008 rechnen wir wieder mit zweistelligem Zuwachs“, sagte BNN-Sprecherin Annette Mörler. Doch insgesamt ist der Anteil der Bioprodukte am Lebensmittelhandel noch gering. Er lag im vergangenen Jahr bei 4,1 Prozent.

Trotzdem kommen die heimischen Biobauern mit der Produktion schon jetzt nicht mehr hinterher. Die Zahl der Landwirte, die auf Bio umstellen, steigt seit dem vergangenen Jahr zwar wieder an. Denn der Staat zahlt wieder eine Prämie. „Aber das reicht bei weitem nicht aus, um die Nachfrage zu decken“, sagte Felix Prinz zu Loewenstein, Chef des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Die Folge ist, dass immer mehr Waren auf langen Wegen und unter hohem Energieeinsatz aus dem Ausland in deutsche Bioläden geliefert werden. Bei Biogemüse wird schon jetzt mehr als die Hälfte aus dem Ausland importiert, bei Obst sind es sogar 70 Prozent.

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