Wirtschaft : Bio statt billig

Der Siegeszug der Lebensmitteldiscounter ist vorbei, sagt eine neue Studie. Davon profitieren Öko-Supermärkte und kleine Läden

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland steht in den nächsten Jahren vor deutlichen Veränderungen. Discounter wie Aldi oder Lidl stoßen an ihre Wachstumsgrenzen, im Gegenzug entstehen immer neue Bio-Supermärkte. „Im Schnitt wird derzeit jede Woche ein neuer Bio-Markt eröffnet“, sagt Johannes Siemes, Branchenexperte bei der Unternehmensberatung KPMG, die jetzt zusammen mit dem von der Wirtschaft finanzierten EHI Retail Institut eine neue Studie über den Lebensmitteleinzelhandel vorlegt. Gleichwohl ist die Zahl der reinen Bio-Supermärkte mit derzeit rund 320 immer noch überschaubar.

Mit dem dramatischen Wachstum bei Lidl und Aldi oder anderen Discountketten ist es nach Ansicht von Siemes dagegen vorbei. Mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent am gesamten Lebensmitteleinzelhandel nähern sie sich ihrer Sättigungsgrenze. Zudem sei das Filialnetz schon sehr dicht. Außerdem ringen sie mit Werteveränderungen bei den Kunden. „Der mit den vielen Lebensmittelskandalen der letzten Jahre einhergehende Vertrauensverlust bereitet vor allem den preisorientierten Discountern Sorge“, sagt Siemes.

Davon profitieren die Bio-Supermärkte. Der Studie zufolge dürfte der Umsatzanteil dieser Läden am gesamten Lebensmitteleinzelhandel von derzeit drei Prozent bis zum Jahr 2010 auf fünf bis sechs Prozent steigen. Dafür spricht nach Ansicht von Siemes auch der anhaltende Wellnesstrend und die Tatsache, dass es immer mehr gekühlte, tiefgekühlte und Trockenfertigprodukte gibt, die aus ökologischen Rohstoffen hergestellt werden.

Generell, so die Studie, haben Supermärkte mit einer Fläche zwischen 1500 und 2000 Quadratmetern die besten Wachstumschancen. „Dies gilt vor allem dann“, sagt KPMG-Experte Siemes, „wenn diese Märkte von selbstständigen Unternehmern geführt werden.“ Sie könnten am ehesten auf die individuellen Wünsche der Kunden eingehen. Das sei mittlerweile ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber großen Discountketten. „Das gilt etwa für die Kreativität bei der Veredelung von Produkten wie küchenfertigen Salaten, grillfertigen Fleischgerichten oder hausgemachtem Frischkäse.“ Ein weiterer Trend spricht für kleinere, innerstädtische Supermärkte: Der steigende Anteil älterer Menschen und die wachsende Zahl von Ein- und Zwei-Personen-Haushalten.

Generell aber ist die Lage für den Lebensmittelhandel schwierig. In den letzten zehn Jahren lag das jährliche Umsatzplus real bei nur einem Prozent. Die Verkaufsflächen legten aber um 20 Prozent zu, der Umsatz pro Quadratmeter ging von 4850 auf 4350 Euro zurück. Kleinere Geschäfte mussten sogar Umsatzeinbußen von 30 Prozent hinnehmen. Die Folge: 20 000 kleinere Händler mussten seit Mitte der neunziger Jahre aufgeben.

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