Biodiesel : Regierung verordnet Ölwechsel

Der Ende Januar gesetzlich erhöhte Bioanteil am Dieselkraftstoff zwingt Fahrer von Diesel-Fahrzeugen offenbar zu mehr Vorsicht als bisher angenommen. Denn der Kraftstoff kann dem Motor schaden - und den Konzernen nützen.

Kevin Hoffmann
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Gefahr an der Zapfsäule: Biodiesel verdampft nicht und macht das Motoröl dünner. Foto: dpa/pa

BerlinBerlin - Die Ende Januar gesetzlich erhöhte Beimischungsquote von Biodiesel zwingt Fahrer von Diesel-Fahrzeugen offenbar zu mehr Vorsicht als bisher angenommen. Das Bundesumweltministerium will die Halter dieser Fahrzeuge offiziell auffordern, die vom Hersteller empfohlenen Ölwechselintervalle konsequent einzuhalten, damit es nicht zu Schäden an den Motoren kommt. Dazu wird das Ressort in den nächsten Tagen ein Faltblatt drucken lassen. Das Informationspapier, das dem Tagesspiegel vorliegt, trägt den Titel „Mehr Bio im Diesel. Worauf Sie achten müssen!“, soll zunächst in einer Auflage von zwei Millionen Exemplaren erscheinen und an Tankstellen ausgelegt werden.

Am 31. Januar war eine neue Verordnung in Kraft getreten, die vorsieht, dass Mineralölgesellschaften den Anteil von Biodiesel im herkömmlichen Dieselkraftstoff von fünf auf sieben Prozent erhöhen. Tankstellenbetreiber haben in den vergangenen Wochen Aufkleber an den Zapfsäulen angebracht, um auf diesen als „B7“ bezeichneten neuen Kraftstoffmix hinzuweisen. Der bisher verkaufte Diesel mit der Bezeichnung „DIN EN 590“ („B5“) wird durch den neuen Kraftstoff „DIN 51 628“ ersetzt.

In der Broschüre steht, dass beim Fahren immer etwas Kraftstoff ins Motoröl gelangt. Reiner Diesel verdampfe wieder. Anders der Biodiesel: Er bleibt auch beim längeren Fahren, wodurch das Motoröl zunehmend verdünnt wird. Das Problem: „Ab einem gewissen Grad entsteht kein ausreichender Schmierfilm mehr. Dies wiederum kann langfristig zu einem höheren Verschleiß am Motor führen“, heißt es in der Broschüre. Daher solle man die vom Autohersteller empfohlenen Ölwechselintervalle beachten.

Die Broschüre wurde mit dem ADAC, Verbänden der Autohersteller und der Mineralölindustrie abgestimmt. „Man sollte sich schon sehr genau an die Ölwechselintervalle halten. Schlimmstenfalls kann es zu Motorschäden kommen“, sagte auch VW-Sprecherin Ines Roessler. „Aber generell vertragen unsere Autos diesen Kraftstoff.“

Der ADAC begrüßt die Erhöhung des Biosprit-Anteils aus ökologischen Gründen. Inwieweit den Kraftstoff wirklich alle Fahrzeuge vertragen, wisse aber niemand, sagte Maximilian Maurer vom ADAC. Er rechne zwar nicht mit größeren Ausfällen. „Wenn aber ein Motorschaden auftritt, wäre dies fatal für den Autohalter, da er wohl nie nachweisen kann, dass B7 Schuld daran ist“, sagte Maurer. Mit der öffentlichen Aufklärung durch das neue Faltblatt wollten sich Hersteller und Mineralölfirmen gegen mögliche Regressansprüche absichern.

Von der Erhöhung des Biodieselanteils dürften vor allem die großen Mineralölfirmen profitieren, die zugleich Tankstellen betreiben. Sie verkaufen Motoröle, die künftig von Diesel-Fahrern verstärkt nachgefragt werden dürften. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel (AGQM), in der die wichtigsten Hersteller und Vermarkter von Biodiesel zusammengeschlossen sind, haben die Konzerne bei der Umstellung auf „B7“ vielen kleineren Biodiesel-Lieferanten ungünstige Verträge aufgezwungen. Danach müssen diese extrem hohe chemische Standards erfüllen, die gar nicht nötig seien. So könnten die Großen die Kleinen verdrängen.

Im Umweltministerium will man nach dem politischen Desaster um die gescheiterte Einführung des zehnprozentigen Anteils von Bioethanol im Sprit wenigstens bei Biodiesel einen Schritt weiter auf der „Roadmap Biokraftstoffe“ kommen. Selbst wenn die kleinen Biosprit-Produzenten verschwinden: „Wir legen großen Wert darauf, das Kapital und das Know-how der großen Mineralölkonzerne einzubinden, um die Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation voranzutreiben“, sagte Ministeriumssprecher Tobias Dünow.

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