Wirtschaft : Biokraftstoffe bekommen größere Rolle

Studie: Neue Generation kann viel Erdöl sparen

Bernd Hops

Berlin - Kraftstoffe aus heimischer Biomasse könnten technisch schon heute 20 Prozent des Bedarfs decken und Deutschland spürbar unabhängiger von Erdölimporten machen. Das Potenzial bis zum Jahr 2030 liege theoretisch sogar bei 35 Prozent, sagte Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena), am Mittwoch in Berlin. Die Dena hat in einer Studie die Möglichkeiten zur „Verflüssigung von Biomasse“ („Biomass-to-Liquid“, kurz BtL) untersucht. An den Arbeiten beteiligt waren die Automobil- sowie die Mineralölindustrie und die betroffenen Bundesministerien.

Eine Weiterentwicklung von Biokraftstoffen ist nötig, wenn sie – wie politisch gewollt – eine größere Rolle übernehmen sollen. Sprit vom heimischen Acker ist schon heute bei vielen Autos im Tank – als Beimischung bei herkömmlichen Kraftstoffen. Doch der Anteil am Gesamtverbrauch ist noch sehr bescheiden. Auf gerade einmal 3,5 Prozent wird er von der Bundesregierung geschätzt. Bis 2015 will der Bund acht Prozent erreichen. Bisher können aber nur bestimmte Bestandteile der Pflanzen genutzt werden, zum Beispiel das Öl der Rapspflanze.

Da klingt die Idee vielversprechender, die komplette Pflanze zur Spritproduktion zu verwenden und die Effizienz zu erhöhen. Einer dieser Biokraftstoffe der zweiten Generation ist BtL. Derzeit wird dieser Kraftstoff aber im Gegensatz zu Biodiesel aus Rapsöl oder Ethanol nicht in industriellem Maßstab produziert. Möglich sei das aber, erklärte Kohler. Eine Anlage werde zwischen 400 und 650 Millionen Euro kosten. Der Preis für einen Liter BtL könne bei unter 80 Cent liegen. Im Vergleich zu heutigen Biokraftstoffen werde deutlich mehr an klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen eingespart.

Ein Problem sieht die Dena allerdings in der wachsenden Konkurrenz um Biorohstoffe. Auch bei der chemischen Industrie und zur Strom- oder Wärmeerzeugung würden sie immer stärker eingesetzt.

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