Wirtschaft : Biosprit an die Börse

Südzucker-Tochter Crop Energies startet Ende September. Auch Konkurrenten drängt es aufs Parkett

Maren Peters

Berlin - Immer mehr Biosprit-Unternehmen drängt es an die Börse. Europa größter Zuckerproduzent Südzucker kündigte am Montag an, seine Tochter Crop Energies noch Ende September aufs Parkett zu bringen, frühestmöglicher erster Handelstermin sei der 29. September, teilte der Konzern in Frankfurt am Main mit. Crop Energies ist nicht der einzige Bioenergie-Spezialist, den es in diesen Tagen an die Börse zieht. Auch Biodiesel International (BDI), ein Hersteller von Produktionsanlagen für Biokraftstoff, will noch in diesem Jahr loslegen, Biosprit-Produzent Verbio bereitet den Börsengang für Oktober vor. Zwei weitere Unternehmen, EOP Biodiesel aus Brandenburg und der Schweizer Konkurrent Biopetrol sind bereits seit dem vergangenen Jahr in Frankfurt gelistet.

Die Unternehmen versprechen sich vom Bioethanol-Markt großes Wachstum. „Wir sehen Bioethanol als den wichtigsten Wachstumstreiber in den nächsten Jahren“, hatte etwa Südzucker-Chef Theo Spettmann bei der Bilanzvorlage geschwärmt. Bioethanol wird durch Gärung aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen wie Weizen oder Zuckerrüben gewonnen. Der Öko-Sprit kann normalem Benzin beigemischt werden und verbessert dadurch die CO2-Bilanz.

Mit Benzin oder Diesel können die Biokraftstoffe bisher aber nur stark subventioniert konkurrieren: Für Benzinmotoren ist Bioethanol bis auf weiteres steuerfrei. Auch sonst können sich die Biosprit-Produzenten auf die Politik verlassen. Um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern, hat die EU angeordnet, den Anteil von Biokraftstoffen am Kraftstoffverbrauch von zwei Prozent im vergangenen Jahr auf 5,75 Prozent im Jahr 2010 zu erhöhen.

Südzucker hat sich frühzeitig darauf eingestellt. 2005 nahm der Konzern die europaweit größte Bioethanol-Anlage in Zeitz (Sachsen-Anhalt) in Betrieb. Mit dem Börsengang der Tochter Crop Energies will sich der Mannheimer Zuckerkonzern nach eigenen Angaben weiteren finanziellen Spielraum für die Expansion der Biosprit-Sparte schaffen. Die Konsortialbank Citibank rechnet mit Erlösen von mehr als 250 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Konkurrent Biopetrol hatte beim Börsengang im vergangenen September 74 Millionen Euro eingesammelt.

In welcher Preisspanne die Aktien von Crop Energies an den Markt gehen und wie viele Papiere ausgegeben werden, will Südzucker erst später bekannt geben. Die Angebotsfrist werde frühestens am 25. September beginnen und voraussichtlich etwas vier Tage dauern.

Noch sind die Umsätze der Biosprit-Sparte vergleichsweise schmal: Crop Energies setzte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende Mai) 30,8 Millionen Euro um und erzielte einen operativen Gewinn (Ebit) von 2,6 Millionen Euro.

Auch nach dem Börsengang will Südzucker die Mehrheit an seiner Tochter behalten. „Südzucker wird langfristig Mehrheitsaktionär bleiben – auch nach der zwölfmonatigen Haltefrist“, sagte Joachim Lutz, der Finanzchef von Crop Energies, am Montag.

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