Biosprit : Der Holzweg als Hoffnung

Kanzlerin Merkel eröffnet in Sachsen die weltweit erste Anlage für Biosprit der zweiten Generation.

Kevin Hoffmann,Juliane Schäuble
Merkel
Riecht so die Zukunft? Choren-Chef Blades reicht Kanzlerin Merkel eine Probe. -Foto: ddp

Berlin - Es war ein echter Traumtermin für die Kanzlerin, der Tag hatte wirklich fast alles: Hightech, Bio, Standort Ost. Er brachte sogar genug Sonne, um ein wenig auf Angela Merkels gebeutelten Parteifreund Georg Milbradt abzustrahlen, der Ende Mai als Sachsens Ministerpräsident zurücktreten wird. Die Kanzlerin hat am gestrigen Donnerstag im sächsischen Freiberg die weltweit erste großtechnische Anlage zur Produktion von Biokraftstoff der zweiten Generation eröffnet. Es geht um Biosprit, den man aus Holz- und Pflanzenresten wie Stroh gewinnt – nicht mehr aus essbaren Nutzpflanzen wie Raps oder Mais.

Bei der Gelegenheit hob Merkel die Bedeutung des übergreifenden Klimaschutzes hervor. „Fortschritte in der Entwicklung klimaschonender Technologien sind dann möglich, wenn Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Hand in Hand zusammenarbeiten“, sagte Merkel. Und genau das scheint auf den ersten Blick hier wirklich zu klappen: Das Unternehmen Choren Industries mit seinen Mitgesellschaftern Shell, Daimler und VW hat 100 Millionen Euro investiert und beschäftigt in Freiberg inzwischen 230 Mitarbeiter.

Diese sollen in der Anlage zunächst jährlich 18 Millionen Liter des neuartigen Biosprits herstellen, den angeblich alle Dieselmotoren verbrennen können. Dabei könne der Schadstoffausstoß im Vergleich zu konventionellem Diesel, Choren zufolge, um 50 Prozent gesenkt werden. „Sun Diesel“, wie Choren sein Produkt nennt, sei sauberer als herkömmlicher Biosprit. Fachleute nennen den Sprit „Biomass-to-Liquid“ (Biomasse-zu-Flüssigkeit), kurz BtL-Kraftstoff.

Große Hoffnungen liegen auf der Anlage, deren 100 Teilsysteme nach und nach ihren Betrieb aufnehmen, damit in wenigen Monaten die ersten Liter an Shell geliefert werden können. Choren teilte auch mit, dass bereits Pläne für den Bau einer Anlage in der Schublade liegen, die statt 18 sogar 250 Millionen Liter des BtL-Kraftstoffs produzieren soll. Sie soll im brandenburgischen Schwedt an der Oder entstehen.

Für den Moment scheint die Anlage in Freiberg ein Glücksfall zu sein, technisch und politisch. Experten sind allerdings skeptisch. So bringt die Produktion des Kraftstoffs im Hinblick auf Energie und CO2-Ausstoß kaum Vorteile gegenüber der Produktion von herkömmlichen Kraftstoffen, wie das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung in einer Studie festgestellt hat.

„Zudem ist der Rohstoff Holz auch anderweitig begehrt, etwa für Heizkessel, die mit Holz betrieben werden“, sagt Jürgen Krahl, der an der Fachhochschule Coburg an Biokraftstoffen forscht. Immerhin: Für die Motoren wäre der Kraftstoff, sollte er eines Tages einsetzbar sein, ein Segen. „BtL ist Diesel sehr ähnlich“, sagt Krahl.

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