Biosprit-Diskussion : Shell bietet E10-Versicherung an

Der ADAC nennt es einen "Marketing-Gag". Doch der Tankstellenkonzern Shell hofft, Kunden mit einer Gratisversicherung vom Biosprit E10 überzeugen zu können. Gelingt das nicht, drohen der Mineralölwirtschaft millionenschwere Strafen.

Anieke Walter
Die Kunden meiden E10. Doch das Ziel der Ölkonzerne ist ein E10-Marktanteil von 90 Prozent. Foto: dapd
Die Kunden meiden E10. Doch das Ziel der Ölkonzerne ist ein E10-Marktanteil von 90 Prozent. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Der Mineralölkonzern Shell will Autofahrern mit einer Gratisversicherung die Angst vor dem Biosprit E10 nehmen. Kunden, die mindestens 30 Liter E10 bei Shell tanken, können für 18 Monate eine Versicherung für ihr Fahrzeug abschließen. Bedingung: 80 Prozent des Biosprits müssen während der Laufzeit bei Shell getankt werden. Die Autos dürfen zudem nicht vor 1996 zugelassen worden sein. „Indem wir gegen Folgeschäden versichern, wollen wir die Akzeptanz von E10 steigern“, sagte Jörg Wienke, Leiter des Tankstellengeschäfts von Shell in Deutschland, Österreich und der Schweiz, am Dienstag in Berlin.

Viele Verbraucher fürchten, dass der neue Kraftstoff ihrem Auto schaden könnte, obwohl die Industrie versichert, dass 90 Prozent aller Modelle E10 verkraften. Die meisten Autofahrer tanken deshalb lieber weiterhin die teureren Sorten Super und Super Plus. Das hat zu großen logistischen Problemen bei den Ölkonzernen geführt, die von der Zurückhaltung der Kunden überrascht wurden. Teilweise war Super sogar ausverkauft. Bei einem Benzingipfel Anfang März hatten sich Politik, Mineralölwirtschaft, Autohersteller und Verbände gleichwohl für E10 als neue Hauptbenzinsorte ausgesprochen. Der Verband der Automobilindustrie hatte am Mittwoch erklärt, die Herstellerangaben zur E10-Verträglichkeit seien verbindlich.

Shell bietet die Versicherung für Kunden an, deren Autos E10 nach Herstellerangaben vertragen. Nach einer Onlineregistrierung beim Tankstellenkonzern sind die Kunden für 18 Monate versichert. Anbieter der Police ist die Deutsche Familienversicherung (DFV). Um nachzuweisen, dass 80 Prozent des Sprits bei Shell getankt wurden, müssen die Autofahrer Tankbelege aufbewahren. „Wenn innerhalb der Laufzeit Schäden auftreten, zahlen wir“, sagte Stefan Knoll von der DFV. Aber auch das scheint nicht so einfach: Zuerst muss eine autorisierte Fachwerkstatt den E10-Schaden feststellen. Danach wird ein unabhängiger Sachverständiger der technischen Prüfgesellschaft Dekra hinzugezogen. Erst wenn auch dieser den Schaden durch E10 bestätigt, werden Schäden bis zu 130 Prozent des Restwertes des Wagens erstattet.

Der Automobilclub ADAC sieht das Versicherungsangebot kritisch: „Das ist ein Kundenbindungsinstrument und Marketing-Gag – sonst nichts“, sagte ADAC- Sprecher Maximilian Maurer. Der Kunde sei nicht nur verpflichtet, den Schaden nachzuweisen, er binde sich zusätzlich auch an einen Tankstellenkonzern. Die Garantieerklärung der Hersteller ändere nichts an der Rechtslage: Die Beweislast liege beim Autofahrer.

Wienke verteidigte das Angebot: Die Kunden wüssten, ob ihr Auto E10 vertrage oder nicht. Trotzdem seien sie verunsichert. „Mit dem Versicherungsangebot ersetzen wir alle Versprechen und wirken dem Misstrauen konkret entgegen“, sagte Wienke. Der Konzern stehe zu seiner Zusage, einen Biokraftstoffanteil von 6,25 Prozent zu erreichen. Dazu hat die Bundesregierung die Mineralölkonzerne verpflichtet, andernfalls drohen hohe Strafzahlungen. Zu schaffen ist die Quote aber nur, wenn etwa 90 Prozent des an den Tankstellen verkauften Kraftstoffs E10 ist. Davon sind die Anbieter wegen der geringen Nachfrage aber noch weit entfernt. Shell-Deutschlandchef Peter Blauwhoff hatte in einem Tagesspiegel-Interview gesagt, die E10-Ablehnung der Verbraucher treffe die Mineralölkonzerne hart: „Auf die Mineralölwirtschaft in Deutschland kommen dreistellige Millionenbeträge als Strafzahlungen zu.“ Auch ein Sprecher des Total-Konzerns sagte, dass der geforderte Biospritanteil nicht einzuhalten sei. Total hat inzwischen die Produktion seiner Raffinerie in Leuna umgestellt. Es wird wieder mehr Superkraftstoff produziert.

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