Biosupermärkte : Grüne Welle in Berlin

Die Nachfrage nach Biosupermärkten ist ungebrochen. Zwar ist das Geschäft noch immer eine Nische – doch gerade für die regionalen Anbieter wird der Wettbewerb härter.

Heike Gläser
Alles Bio. Städter kaufen gern vom Bauern, vor allem wenn der kontrolliert ökologisch anbaut.
Alles Bio. Städter kaufen gern vom Bauern, vor allem wenn der kontrolliert ökologisch anbaut.Foto: dapd

Ein Bioladen mit Scannerkasse und Einkaufswagen – das kam 1999 fast einer Sensation gleich. Damals eröffnete Georg Kaiser zusammen mit Undine Paul auf 280 Quadratmetern den zu dieser Zeit größten Berliner Biosupermarkt an der Wilmersdorfer/Ecke Mommsenstraße. „Es war ein modernes Konzept, zu sagen, wir gehen raus aus der Bioszene hin zum normalen Bürger“, erinnert sich Kaiser.

Ein gutes Jahrzehnt später ist seine Bio Company mit rund 30 Filialen Marktführer in der Region. Die ökologische Bewegung aus den 80er Jahren und Lebensmittelskandale wie beispielsweise BSE im Jahr 2000 führten zu einer kontinuierlich steigenden Nachfrage nach Bioprodukten.

Die Biobranche boomt, auch wenn der Anteil an der gesamten Lebensmittelbranche bundesweit derzeit bei gerade mal 3,7 Prozent liegt, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ermittelt hat. Danach ist der Bioumsatz in Deutschland von 6,02 Milliarden im Jahr 2010 auf 6,59 Milliarden Euro 2011 gestiegen – ein Plus von neun Prozent.

Mit dem BSE-Skandal wechselten viele Verbraucher zur Bio Company und sind geblieben, sagt Georg Kaiser. Seine Kunden könnten sicher sein, woher die Produkte stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Handel und Lieferanten müssten sich auf Augenhöhe begegnen. „Das sind zwei gleichwertige Ebenen in der Wertschöpfungskette.“ Er kennt die Bauern seit vielen Jahren persönlich.

Alle Filialen der Bio Company sind Vollsortimenter. 2011 lag der Umsatz bei 62 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 721 Mitarbeiter. Das Unternehmen wuchs mit zwölf bis 15 Prozent in den vergangenen Jahren ähnlich schnell wie der Markt.

Kaiser kann sich gut vorstellen, dass das noch einige Jahre so weitergeht. Nur: „Doppelt so schnell zu wachsen, wäre nicht gut.“ Neben wenigen Filialen in Hamburg und Sachsen, konzentriert er sich auf Berlin und Brandenburg.

Auf die Hauptstadt haben es auch die LPG Biomärkte abgesehen. Von den Anfängen 1994 bis heute sind sechs Läden entstanden. Ein „bescheidenes Wachstum“, sagt Werner Schauerte, einer der beiden Geschäftsführer. Im kommenden Jahr sollen noch zwei weitere in der Albrecht- und Yorckstraße eröffnen.

Ihm ist wichtig, die Regionalwirtschaft zu stärken. „Wir wären unglaubwürdig, wenn wir einen Laden in Stuttgart oder München aufmachen würden“, findet er. Das Geschäftsmodell der LPG Biomärkte unterscheidet sich von den Mitbewerbern: Zum einen durch die LPG-Mitgliedschaft, die zu einer starken Kundenbindung führt, zum anderen durch die Größe des Sortiments mit 18000 Artikeln. Neben Biolebensmitteln gibt es auch Naturkosmetik, Haushaltswaren, Wasch- und Putzmittel sowie Spielzeug, Kinderkleidung und Babynahrung.

Wer Mitglied wird, zahlt einmalig eine Kaution von 51,13 Euro und monatlich 17,90 Euro. Dafür kann man günstiger einkaufen als ohne Mitgliedsausweis. Über 20000 Mitglieder hat LPG mittlerweile, der Anteil an Nichtmitgliedern liegt je nach Filiale bei 15 bis 25 Prozent. „Durch unsere Stammkunden sind wir weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen“, sagt Schauerte. Das sei ein Riesenvorteil.

Inzwischen sei zu beobachten, dass die großen Mitbewerber wie Dennree oder Alnatura aggressiver am Markt und im Einkauf vorgehen, sagt Schauerte. Alnatura mit mehr als 3200 Handelspartnern bundesweit und Dennree mit rund 1000 Läden im Bundesgebiet gehe es nicht um die Verankerung in der Region. „Die führen zwar Bioartikel, verfolgen aber konventionelle Marktstrategien“, sagt er. Die auf Expansion angelegten Unternehmen würden die regionalen Märkte kaputtmachen.

Alnatura wurde schon zehn Jahre früher, 1984, von Götz E. Rehn gegründet, inzwischen gibt es 70 Filialen in 39 Städten. Der Umsatz lag 2011 bei 464 Millionen Euro, eine 16-prozentige Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Der Gründer hatte von Anfang an die Idee, eigene Läden für Bioprodukte zu eröffnen, doch zu dieser Zeit gab es noch zu wenig Produkte, um ein Vollsortiment anzubieten. Also entwickelte Rehn bis 1987 rund 1000 Bioprodukte und vertrieb sie zunächst über die Drogeriekette dm.

Alnatura ist trotz des rasanten Wachstums über die Jahrzehnte weiterhin inhabergeführt. Ähnlich groß wie Alnatura ist Dennree mit einem Umsatz von 420 Millionen Euro im Jahr 2011. Der Mittelständler aus Nordbayern ist noch älter, wurde bereits 1974 gegründet und ist der größte Biogroßhändler Deutschlands. Dennree beliefert 1400 selbstständige Biomärkte auch in Österreich, Südtirol und Luxemburg.

Die Dennree-Niederlassung in Berlin versorgt die sechs relativ neu eröffneten Denn's Supermärkte und neun Viv Biofrischemärkte. Dennree setzt weiter auf Expansion im Bioeinzelhandel. Besonders in den ostdeutschen Flächenländern und Berlin gebe es noch „weiße Flecken auf der Biolandkarte“, heißt es aus dem Unternehmen.

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