Wirtschaft : Biotech: Branche erwartet Pleiten

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Die deutsche Biotechnologie-Branche erwartet nach dem Gründerboom der letzten Jahre nun eine Marktbereinigung. "Wir brauchen einen Konsolidierungsprozess", sagte Lutz Müller-Kuhrt, der Vorstandsvorsitzende der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU), am Dienstag in Berlin. Deutschland habe in den letzten fünf Jahren - im Vergleich zu den USA und Großbritannien - zwar immens aufgeholt, habe im Moment aber zu wenige qualitativ hochwertige Firmen, von denen viele die nächsten Jahre nicht überstehen würden. "Fusionen und auch Pleiten gehören zum Konsolidierungsprozess dazu", sagte Müller-Kuhrt, der auch Geschäftsführer der Analyticon-Discovery in Potsdam ist. "Das ist ein gesunder Prozess." Grafik: Die größten Biotechnologie-Regionen In Deutschland gibt es nach VBU-Angaben je nach Definition zwischen 300 und 500 Biotech-Unternehmen. 58 Prozent der Unternehmen seien jünger als fünf Jahre, die Mehrzahl habe weniger als 100 Angestellte. Insgesamt arbeiteten in Deutschland zwischen 10 000 und 20 000 Menschen in der Biotechnologie. In den letzten Jahren habe sich die Zahl der Beschäftigten alle zwei Jahre verdoppelt, sagte Müller-Kuhrt. 90 Prozent aller Firmen beabsichtigten, in den nächsten Monaten weitere Mitarbeiter einzustellen. "Wir sind mehr und mehr in der Situation, wo wir von der Biotechnologie als echter Jobmaschine sprechen können", sagte Müller-Kuhrt. Über kurz oder lang sei mit sechsstelligen Beschäftigtenzahlen zu rechnen. Von der internationalen Spitzengruppe sei Deutschland allerdings noch weit entfernt - in den USA arbeiteten derzeit 15-Mal so viele Menschen in der Biotech-Branche wie in Deutschland. Der Abstand zu den führenden Biotech-Nationen USA und Großbritannien werde aber immer geringer.

Schätzungen zufolge erzielte die Branche weltweit einen Gesamt-Umsatz von zuletzt 35 Milliarden US-Dollar (78,9 Milliarden Mark). Bis 2005 erwartet der VBU einen Anstieg auf das zweieinhalbfache, also rund 87,5 Milliarden Mark.

Der Verband befürchtet, dass das Branchenwachstum in Deutschland durch einen Arbeitskräftemangel gebremst werden könnte, der sich schon jetzt in einzelnen Regionen bemerkbar mache. Es sei absehbar, dass es dieses Problem bald auch bundesweit geben werde, warnte Müller-Kuhrt. Er forderte die Politik auf, den Arbeitsmarkt weiter zu öffnen. "Wir begrüßen jede Maßnahme, die zu einer Flexibilisierung führt" sagte er. Ob eine Green Card die richtige Lösung sei, sei allerdings fraglich. Stattdessen forderte der VBU-Vorsitzende "ein Einwanderungsgesetz, das sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert".

Zu den künftigen Herausforderungen der Biotech-Branche gehöre es weiter, in Qualität und Größe der Unternehmen zu investieren und den Technologie-Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft voranzutreiben. Darüberhinaus will der Verband an einem besseren Image arbeiten. Einen Anfang ist gemacht: Soeben ist in dritter Auflage der "VBU-Guide of German Biotech-Companies" erschienen. Er gibt einen Überblick über 128 Firmen in der Branche.

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