Wirtschaft : Biotech-Firmen leiden unter Pharmaflaute Qiagen und Morphosys legen schwache Quartalszahlen vor

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Berlin (pet). Die Biotech-Branche leidet unter der Krise der Pharmaindustrie und der schwachen Konjunktur. Qiagen, das zum Auftakt der Biotech-Berichtssaison am späten Montagabend die Zahlen für das zweite Quartal vorlegte, hat deutlich weniger verdient als im Vorjahresquartal. Morphosys, die Dienstag vorlegten, hat den Verlust erhöht. Mit Lion Bioscience und Genescan werden an diesem Mittwoch weitere wichtige Biotech-Firmen ihre Zahlen präsentieren.

Für die Biotech-Firmen wird es angesichts der Börsenflaute immer schwieriger, am Kapitalmarkt frisches Geld zu bekommen. Der Branchen-Index am Neuen Markt schrumpfte seit Jahresbeginn auf ein Drittel seines Wertes, der amerikanische Nasdaq-Biotech-Index um die Hälfte. „Die Finanzierung ist kritisch geworden“, sagt eine Analystin. Doch für viele Biotech-Unternehmen tickt die Uhr: Die Forschung an neuen Produkten ist langwierig und extrem teuer. Wenn kein neues Geld von der Börse kommt, müssen sie sich noch stärker als bisher um andere Finanzierungsquellen bemühen – vor allem um lukrative Kooperationen mit Pharmakonzernen.

Qiagen, eines der wenigen profitablen Biotech-Firmen in Deutschland, hat bereits starke Kunden in der Industrie. Das Unternehmen aus Hilden bei Düsseldorf ist Weltmarktführer bei der Lieferung von Produkten zur Aufreinigung der Erbsubstanz DNS. Doch Qiagen leidet nach eigenen Angaben unter einem starken Rückgang der Forschungsausgaben in der US-Pharmaindustrie. Bei vielen US-Konzernen bricht der Umsatz ein, weil Patente für Originalmedikamente auslaufen und kein Nachschub da ist. Um zu sparen, werden die Forschungsausgaben gekürzt. Das bekam auch der Lieferant Qiagen zu spüren: Das operative Ergebnis im zweiten Quartal sank auf 12,2 Millionen Dollar (rund 12 Millionen Euro), nach 14,8 Millionen Dollar im Vorjahres-Vergleichsquartal. Dagegen erhöhte sich der Quartalsumsatz um zehn Prozent auf 72,7 Millionen Dollar. Qiagen hatte bereits Anfang Juli seine Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr deutlich nach unten geschraubt.

Das Münchner Unternehmen Morphosys, an dem auch Schering beteiligt ist, hat im zweiten Quartal wegen höherer Kosten für Forschung und Entwicklung den Verlust deutlich erhöht, blieb aber trotzdem etwa im Rahmen der Analysten-Erwartungen. Der Verlust kletterte auf 5,3 Millionen Euro, der Umsatz sank von 5,1 auf 4,6 Millionen Euro. Morphosys wollte eigentlich schon in diesem Jahr Gewinne schreiben. Doch im März hatte die Firma ihre Geschäftsstrategie geändert – und will nun selbst Arzneien entwickeln. Daher würden die Forschungskosten weiter steigen.

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