Wirtschaft : Biotech-Startups gebremst

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Das einst dynamische Wachstum der deutschen Biotech-Startups gerät angesichts schwacher Börsen und überzogener Erwartungen ins Stocken. Sowohl die Jenaer Cybio als auch die Brandenburger Codon kündigten am Dienstag bei der Bilanzvorlage Maßnahmen zur Kostensenkung an. Beide Unternehmen sind am Neuen Markt gelistet. Cybio will die Belegschaft in diesem Jahr um 25 Prozent reduzieren, Codon hat den geplanten Bau einer neuen Produktionsstättte in den USA auf unbestimmte Zeit verschoben.

Das Problem vieler deutscher Biotech-Unternehmen ist, dass sie nach den euphorischen Gründerzeiten jetzt in die Phase der Konsolidierung geraten und beweisen müssen, dass sie sich am Markt behaupten können. Die anhaltende Schwäche der Börsen setzt die Unternehmen weiter unter Druck.

Cybio, das Laborautomations-Technologien für Biotech- und Pharmaunternehmen produziert und vertreibt, hat zugegeben, "zu optimistische Erwartungen" an das zurückliegende Jahr gestellt zu haben. Die ursprünglichen Planungen seien von einem Umsatzwachstum auf 30 Milliarden Euro ausgegangen, hieß es. Dementsprechend sei der Vertrieb stark ausgebaut worden. Tatsächlich ging der Umsatz im vergangenen Jahr um knapp ein Drittel zurück, von 21,3 Millionen Euro auf 14,4 Millionen Euro. Auch der Verlust wurde deutlich größer: knapp 17 Millionen Euro waren es 2001, nach 965 000 Euro im Jahr zuvor. Als Grund gab das Unternehmen zu hohe Kosten im Verhältnis zum Umsatz an. Das werde sich - trotz eingeleiteter Kostensenkungen - auch in diesem Jahr noch "voll auswirken".

Gegen zu hohe Kosten kämpft auch die Teltower Codon AG, die körpereigenes Gewebe zur Behandlung von Knorpelschäden oder für Transplantationen züchtet. "Wir werden bei den internen Kosten sparen", sagte Unternehmenschef Karl-Gerd Fritsch. Die Zahl der Arbeitskräfte - derzeit 50 - soll vorerst nicht aufgestockt werden. Anders als Cybio hat Codon seinen Umsatz nahezu verdoppeln können, von rund 773 Millionen Euro im Jahr 2000 auf 1,4 Millionen Euro in 2001. Der Verlust stieg von 23 Millionen Euro auf 62 Millionen Euro.

Einen Bilanzausblick für 2002 wollte Fritsch nicht geben. "Wir können noch keine konkreten Zahlen nennen." Noch gibt es zu viele Unbekannte. Größtes Problem sei die ungeklärte Kostenerstattung durch die Krankenkassen. Auch die Suche nach strategischen Partnern für den Vertrieb ist offenbar noch lange nicht am Ziel.

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