• Biotech-Unternehmen: Börsengang und Fusion schließen sich nicht aus - Um Schieflagen zu vermeiden raten Experten zu Frühwarnsystemen

Wirtschaft : Biotech-Unternehmen: Börsengang und Fusion schließen sich nicht aus - Um Schieflagen zu vermeiden raten Experten zu Frühwarnsystemen

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Biotech-Unternehmen, die an die Börse gehen wollen, sollten sich den Zeitpunkt gut überlegen. "Der Aktienmarkt ist nur in gewissen Zeiträumen für Biotechnologie-Finanzierungen geöffnet", sagte Markus Hottenrott, Investment Banker bei Morgan Stanley Dean Witter, am Mittwoch auf den "Biotechnologie-Tagen 2000" in Berlin. Wenn sich ein Fenster öffne, sollten Unternehmen die Chance nutzen. Zurzeit sei das Umfeld günstig: "Die Biotechnologie in Deutschland ist gut bewertet." Morgan Stanley geht davon aus, das noch in diesem Jahr zehn bis 15 europäische Biotech-Unternehmen an die Börse gehen und dabei Kapital in Höhe von mindestens 650 Millionen Dollar an Land ziehen werden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden bei neun Börsengängen 263 Millionen Dollar eingesammelt.

Gleichzeitig rechnet die Investmentbank damit, dass mit zunehmender Reife der Biotech-Unternehmen auch die Zahl der Fusionen und Akquisitionen zunehmen wird. "Börsengang und Fusion schließen sich nicht aus", betonte Hottenrott. Über Fusionen und Zukäufe könne schnell kritische Masse generiert und so die Entwicklung der Unternehmens beschleunigen werden. Im Übrigen würden Fonds auf größere Unternehmen eher aufmerksam. Außerdem, so Hottenrott, könne durch Zukäufe die Bandbreite der Produkte und Dienstleistungen vergrößert werden. "Das reduziert das Risiko."

Für einen Börsengang geeignet seien Biotech-Unternehmen, die ein hohes Wachstumspotenzial, innovative Produkte und eine internationale führende Marktposition vorweisen könnten. "Die Präsenz im heimischen Markt reicht nicht aus", warnte Holger Meyer, zuständig für Corporate Finance bei der Berliner Effektenbank. Wichtige Voraussetzung sei darüberhinaus ein kompetentes, kommunikationsfähiges Management.

Gerade in jungen Biotech-Unternehmen sei es notwendig, Frühwarnsysteme zu installieren, um finanzielle Schieflagen zu vermeiden, betonte Jörg Neermann von der Deutschen Venture Capital Gesellschaft (DVCG). Er riet den Firmen, "Meilensteine" zu definieren und zu kontrollieren, ob das Unternehmen den vorgegebenen Finanz- und Businessplan einhalten könne. Auch die Liquidität eines Biotech-Unternehmens sowie die Patentstrategie müssten regelmäßig überprüft werden. Nicht zu unterschätzen seien auch die so genannten weichen Faktoren. "Wenn das Management keinen Zielfocus hat, nicht flexibel ist und bei der Patentstrategie zu wenig Aggressivität an den Tag legt, ist Vorsicht geboten", sagte Neermann.

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