Wirtschaft : Biotechfirmen fehlen 600 Millionen Euro

Branche erholt sich, aber es mangelt an Risikokapital

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Umsätze deutscher Biotechnologie-Unternehmen sind im vergangenen Jahr erstmals seit 2002 wieder gestiegen. Zugleich konnten die Verluste reduziert werden. Bei einem Gesamtumsatz von 1,03 Milliarden Euro lag das Minus allerdings immer noch bei 486 Millionen Euro nach 550 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Immerhin schreiben 27 Prozent der Firmen schwarze Zahlen. „Die Talsohle ist fast durchschritten und es gibt Licht am Ende des Tunnels“, sagte Alfred Müller, Vorstandsmitglied der Unternehmensberatung Ernst&Young, am Mittwoch bei der Vorstellung des Biotechnologie-Reports 2005. Größtes Problem der Branche bleibt aber die Finanzierung: Aktuell fehlen den Firmen rund 600 Millionen Euro an Kapital.

Immerhin ist der von vielen Experten nach dem Höhenflug der Jahre 2000 bis 2002 erwartete Einbruch der Branche ausgeblieben. 2004 mussten 31 Biotech-Firmen in Deutschland aufgeben, fünf Firmen wurden aufgekauft oder fusionierten, 26 Unternehmen wurden neu gegründet. „Der Höhepunkt der Insolvenzen dürfte erreicht sein“, sagte Ernst&Young-Beraterin Julia Schüler, die die Studie erstellt hat. Insgesamt gab es Ende vergangenen Jahres dem Report zufolge in Deutschland 346 Biotech-Firmen.

Die meist kleinen Firmen zeigen auch mit Blick auf die Beschäftigten mehr Optimismus. Zwar schrumpfte die Zahl der Mitarbeiter 2004 um rund 1400 auf knapp 10100. Über 40 Prozent der Stellen waren allerdings durch Insolvenzen weggefallen. „Aber über 80 Prozent planen 2005 Neueinstellungen“, sagte Schüler. Allerdings sind die meisten Biotech-Firmen – die sich schwerpunktmäßig im Rhein-Neckar-Dreieck um Mannheim und Heidelberg, im Großraum München, in Berlin, im Dreieck Aachen, Köln, Düsseldorf sowie im Raum Freiburg angesiedelt haben – nach wie vor Kleinunternehmen. Mehr als die Hälfte hat weniger als zehn Mitarbeiter.

„Die notwendige Konsolidierung lässt auf sich warten. Noch läuft sie vor allem über Insolvenzen“, sagt Schüler. Freilich: Bis Ende Mai wurden bereits elf deutsche Biotech-Firmen im laufenden Jahr übernommen, zwei haben selbst im Ausland zugekauft.

2004 konnten die Firmen zwar fast 550 Millionen Euro an frischem Eigenkapital und damit mehr als doppelt so viel wie 2003 aufnehmen. Aber die Ausstattung neuer Unternehmen mit Wagniskapital stagnierte bei etwa 230 Millionen Euro. „Das zur Verfügung stehende Risikokapital reicht bei weitem nicht aus“, sagt Müller. Deshalb sei der jüngst von Wirtschaft und Bundesregierung aufgelegte High-Tech-Gründerfonds besonders wichtig.

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