Wirtschaft : Biotechnolgie-Firmen schließen sich zusammen

Neuer Verband soll mehr Akzeptanz bei den Deutschen schaffen

BONN (AFP).Die wichtigsten deutschen Biotechnologie-Unternehmen haben sich am Donnerstag, unterstützt von Politik und Forschung, zu einer Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) zusammengetan, um der "Schlüsseltechnologie des 21.Jahrhunderts" zu mehr öffentlicher Akzeptanz und politischem Gewicht zu verhelfen.Die Vereinigung sei als Dachverband gedacht, der umfassenden Informationsaustausch gewährleiste und die Anliegen der Mitgliedsfirmen "mit starker Stimme" vertrete, sagte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Jürgen Strube, bei dem die DIB angesiedelt ist.Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers lobte in Bonn die Aufbruchstimmung und das "Gründerfieber" im Bereich der Biotechnologie, die vielfältige Chancen bei Medizin, Ernährung und Umweltschutz eröffne und zahlreiche neue Arbeitsplätze verspreche. Die Zahl der deutschen Biotechnologie-Unternehmen hat sich nach Angaben Rüttgers und des VCI von 1995 bis 1996 auf 150 verdoppelt und dürfte weiter stark wachsen.Rüttgers bekräftigte seine Vision, Deutschland werde zur Jahrtausendwende Europas Nummer eins bei der Biotechnologie sein.In der Forschung und von der Dynamik her sei die Bundesrepublik heute schon weltweit führend, und die Wirtschaft, die auf den Erkenntnissen der Forscher aufbaue, ziehe rasch nach.Bis zum Jahr 2000 dürften nach Angaben des Ministers 70 000 neue, hochqualifizierte und zukunftssichere Arbeitsplätze in der Branche entstehen.VCI-Chef Strube ergänzte, die Biotechnologie werde in absehbarer Zeit die gleiche wirtschaftliche Bedeutung erlangen wie die Informationstechnik.Im US-Bundesstaat Kalifornien habe sie die Computerindustrie in ihrer Bedeutung sogar schon verdrängt. Die "grüne Biotechnologie" - die Nutzung von Gentechnik im Agrar- und Lebensmittelbereich - ist nach den Worten Strubes ebenfalls auf dem Vormarsch.Die Akzeptanz wachse, wenn auch noch viel zu tun bleibe.In Deutschland könne mittlerweile zu annähernd gleichen Bedingungen gentechnisch geforscht werden wie in den USA, gravierende Unterschiede gebe es indessen bei der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen.Die Unternehmen würden hier auf eine "harte Geduldsprobe" gestellt. Minister Rütters bemerkte, in Deutschland sei "alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, während in den USA alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten wurde".Dies müsse so schnell wie möglich geändert werden.

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