Wirtschaft : Biotechnologie: Der Europameister braucht Arzneien

Maren Peters

Die deutsche Biotechnologie hat ein gutes Jahr hinter sich. Zum zweiten Mal in Folge ist die junge Branche schneller gewachsen als die europäische Konkurrenz. Die deutschen Unternehmen behaupten ihren Spitzenplatz vor Europas ältester Biotech-Nation Großbritannien. Analysten bescheinigen der Branche ausgezeichnete Wachstumsperspektiven. Das freut nicht nur Forschungsstaatssekretär Wolf-Michael Catenhusen, der den neuesten Biotechnologie-Report der Unternehmensberatung Ernst & Young auch als Ausweis der eigenen erfolgreichen Politik verstanden wissen will.

Eines wird dabei aber gerne übersehen: Die deutsche Biotechnologie, so zukunftsweisend sie sein mag, braucht noch viel Zeit, um sich zu einer reifen Industrie zu entwickeln. Deutschland ist - mit jährlichen Wachstumsraten um die zwanzig Prozent - zwar Spitzenreiter bei der Zahl der Unternehmensgründungen. Beim Umsatz bringen es alles Biotech-Unternehmen zusammen mit rund 1,5 Milliarden Mark dagegen auf kaum mehr als ein mittelgroßes Maschinenbau-Unternehmen. Und bis auf zwei Ausnahmen - Qiagen und Rhein Biotech - stecken noch alle deutschen Biotech-Firmen tief in den roten Zahlen. Marktfähige Arzneimittel hat - im Gegensatz zur britischen und amerikanischen Wettbewerbern - noch keines von ihnen entwickelt. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Genau an dieser Latte aber werden sich die Unternehmen in Zukunft messen lassen müssen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass sie auf die Stärke des Neuen Marktes allein nicht mehr setzen können. Übernahmen in der Größenordnung eines britischen Konkurrenten, der die deutsche Firma Evotec für eine Milliarde Mark gekauft hat, dürften in diesem Jahr nicht mehr möglich sein. Um den Abstand zur US-Konkurrenz zu verkleinern, sind die deutschen Unternehmen aber zu schnellem Wachstum verdammt. Das können sie nur mit Hilfe von Fusionen. Das nötige Kapital müssen sie künftig selbst erwirtschaften. Nur diejenigen, die das schaffen, werden die Reifephase erleben.

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