Wirtschaft : Biotechnologie: Deutschland kämpft sich an die Spitze vor

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Aus dem einst von der Pharmabranche mit Argusaugen beobachteten Standort Deutschland ist für die Biotechnologie in nur wenigen Jahren ein hochinteressantes Pflaster geworden. "Deutschland kommt dem Ziel, der führende Biotechnologie-Standort in Europa zu werden, immer näher. Wir haben Anschluss gefunden und kämpfen uns an die Spitze", sagte Dieter Wißler, Vorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) am Donnerstag in Frankfurt. Vor allem die kleinen Biotechnologie- Unternehmen hätten sich erfreulich entwickelt.

Seit 1998 ist der Umsatz dieser Firmen jährlich um rund ein Drittel gewachsen, die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich sogar um 40 Prozent. Ende 1999 beschäftigten die rund 300 kleinen Biotech-Unternehmen in Deutschland mehr als 8000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr setzten sie erstmals mehr als eine Milliarde Mark um. Wißler macht den enormen Erfolg auch an der Zahl der gentechnisch hergestellten Medikamente und der Patente fest. 1999 gab es 60 solcher Arzneien, mit denen im Verkauf in den Apotheken rund 1,8 Milliarden Mark und damit fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr umgesetzt wurden. Sechs Prozent des deutschen Arzneimittelmarktes entfallen auf gentechnisch hergestellte Medikamente. Bei Diagnostika liegt diese Quote schon bei 30 Prozent. Daneben registrierte der DIB 176 Patente, 36 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Deutschland liegt damit in Europa an der Spitze. In den USA allein wurden allerdings 660 Patente angemeldet".

Für den Erfolg der Unternehmen macht der DIB vor allem auch den Neuen Markt an der Frankfurter Börse verantwortlich. Damit gehöre der Mangel an Risikokapital der Vergangenheit an. Allein 1999 hätten, so Wißler, Biotech-Firmen rund eine halbe Milliarde frisches Risikokapital aufgenommen und noch einmal 400 Millionen Mark über den Gang an den Neuen Markt locker gemacht. 1999 ließen sechs Biotech-Firmen ihre Aktien erstmals am Neuen Markt listen, bis Mitte August waren es im laufenden Jahr schon wieder acht. "Bis zum Jahresende könnten es 16 sein", sagt Wißler.

Trotz dieser positiven Entwicklung, die gerade mit dem Amtsantritt der rotgrünen Bundesregierung eingesetzt hat, sieht man beim DIB noch einige Mängel. Bei den steuerlichen Rahmenbedingungen seien dringend Verbesserungen geboten. Etwa für Risikokapitalgeber oder mit Blick auf Aktien-Options-Programme für Mitarbeiter. Hier, so Wißler, gebe es noch gravierende Nachteile für deutsche Firmen gegenüber der ausländischen Konkurrenz.

Bei der Anwendung der Bio- und Gentechnologie laufe Europa und speziell die Bundesrepublik sogar Gefahr, den Anschluss zu verlieren. "Die Situation der grünen Gentechnik ist hierzulande unverändert schwierig", sagt Wißler.

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