Wirtschaft : Biotechnologie: In Amerika wächst die Branche schon wieder

kk/hus/som

Die Biotechnologie-Unternehmen sind derzeit in den Vereinigten Staaten bei den Quartalsergebnissen die rühmliche Ausnahme. Während die meisten Firmen in den ersten drei Monaten deutliche Einbußen hinnehmen müssen, kann die Biotech-Branche Zuwächse verzeichnen. Für die gesamte Branche sagt Charles Hill, der Research-Chef des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial/First Call voraus, dass sich die Ergebnisse in diesem Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres um 16 Prozent verbessert haben. First Call basiert seine Studien auf Umfragen bei den wichtigsten Analysten.

Biogen, Avonex und Genentech haben ihre Zahlen bereits vorgelegt und die Erwartungen der Analysten weitgehend erfüllt. Bei Biogen stieg ohne Einbeziehung der einmaligen Aufwendungen der Gewinn gegenüber dem ersten Quartal 2000 um neun Prozent. Die Verkaufszahlen von Avonex übertrafen die Erwartungen, und Genentex konnte seinen Nettogewinn um zwölf Prozent erhöhen. In dieser Wochen legen die Unternehmen Genzyme und Medimmune ihre Ergebnisse vor. Weitere Firmen folgen im Laufe des Aprils.

Allerdings sind bei den meisten BiotechUnternehmen schwarze Zahlen weiterhin die Ausnahme. Wichtiger ist den Aktionären dieser jungen Branche, die durch extrem lange Entwicklungszeiten ihrer Produkte geprägt ist, was in den Labors der Unternehmen heranreift und welche neuen Medikamente entwickelt werden. "Biotech-Unternehmen sind gegenüber Konjunkturflauten fast immun", erklärt der Analyst der Investmentbank SG Cowen, Eric Schmidt den Optimismus der Branche. "Ich rechne nicht damit, dass es bedeutende Korrekturen bei den Gewinnprognosen für die nächste Zeit gibt", sagt er. Einige kleinere Unternehmen werden voraussichtlich in diesem Jahr zum ersten Mal den Sprung in die schwarzen Zahlen schaffen. So rechnet Analyst Schmidt etwa bei Cephalon im dritten Quartal mit Gewinnen. Andere Analysten spekulieren bei Corr Therapeutic und Celgene auf erste Gewinne im zweiten Quartal. Noch entscheidender ist freilich, welche Entwicklungen in den Labors heranreifen. "Wenn man nichts in der Pipe-Line hat, helfen auch Gewinne nicht", sagt Schmidt. Viele BiotechUnternehmen haben sich mittlerweile erfolgreich vom reinen Technologie- zum Pharmaunternehmen gewandelt und werden ihre Produkte in den nächsten Jahren auf den Markt bringen.

An der Börse bleiben die Kurse der Biotech-Unternehmen trotz der guten Quartalsergebnisse immer noch weit von dem Hoch im vergangenen Herbst entfernt. Der US-Biotechnologie-Index erreichte damals 800 Punkte, heute liegt er bei über 500 Punkten. Schwergewichte wie das amerikanische Unternehmen Amgen notieren nahe einem 52-Wochen-Tief.

Analysten und Fondsmanager sind allerdings vorsichtig optimistisch, dass sich an den Aktienmärkten nun ein Boden bildet und die Kurse nicht auf neue Tiefstände fallen. Darauf deute nicht zuletzt die jüngste Rallye an den Aktienmärkten hin. Bei steigendem Handelsvolumen legten die Technologiebörsen innerhalb einer Woche um gut 15 Prozent zu.

Hoffnung signalisieren daneben neue Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten: Ein unerwartet stark zurückgegangenes Konsumentenvertrauen und sinkende Erzeugerpreise schüren neue Hoffnungen auf Zinssenkungen. Anleger sollten sich nicht blind auf den Negativtrend der Vergangenheit verlassen, als jeder Erholung wieder ein kräftiger Abschwung folgte, meint Achim Matzke von der Commerzbank. Allerdings sei viel Geduld nötig. Ein Boden bilde sich nach einem ausgeprägten Abschwung nicht in ein paar Tagen, sondern erst nach Monaten.

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