Wirtschaft : Biotechnologie: Patentstreit könnte für Anleger gefährlich werden

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Die Medigene AG hat eine gute Zeit erwischt: die Biotechnologie steckt im Goldrausch, was noch dadurch begünstigt wurde, dass zu Beginn der Woche die Entschlüsselung des menschlichen Genoms verkündet wurde. Den Boom reflektiert auch der Ausgabepreis der Aktie, der am Donnerstagnachmittag auf 42 Euro festgelegt wurde. Damit liege er am oberen Ende der Zeichnungsspanne von 35 bis 42 Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit, das am heutigen Freitag sein Debüt am Neuen Markt in Frankfurt gibt. Am Graumarkt wurde die Aktie zu diesem Zeitpunkt bereits mit 55 Euro gehandelt. Das Emissionskonsortium wird von Morgan Stanley und der Bank Vontobel angeführt.

Medigene entwickelt im Gegensatz zu vielen anderen Biotech-Unternehmen keine Plattformtechnologie, sondern konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Medikamente. Das 1994 gegründete Unternehmen aus Martinsried bei München hat zurzeit drei Produkte, die in fortgeschrittenen Phasen der Entwicklung sind. Am weitesten fortgeschritten ist "Polyphenon", ein Mittel gegen Genitalwarzen, das voraussichtlich 2003 auf den Markt kommen soll. Im gleichen Jahr will Medigene die Gewinnzone erreichen. Bislang verzeichnet das Unternehmen keine Umsätze, schrieb im vergangenen Jahr aber einen Verlust von 7,3 Millionen Euro.

Zwei weitere Medikamente stehen kurz vor der klinischen Prüfung. Dazu zählt auch "Etomoxir", ein Medikament gegen Herzinsuffizienz, von dem das Unternehmen laut Börsenprospekt einen potenziellen Umsatz von 500 Millionen Euro erwartet.

Im Hinterkopf behalten sollten Anleger laut SGZ-Bank-Analyst Matthias Frasch, dass Medigene in einen Patentstreit mit der Chicago University verwickelt ist. "Wenn Medigene den Streit verlieren sollte, ist die weitere Forschung, schlimmstenfalls sogar die Existenz des Unternehmens gefährdet", sagt Frasch. Der Patentstreit erhöhe das bei einem Medikamentenentwickler ohnehin hohe Risiko. Insgesamt sei das Papier eine Zeichnung wert, sagt der Analyst. Die Aktie sei zwar sehr teuer, aber "bei deutschen Biotechnologie-Werten ist das zurzeit so üblich". Für die Qualität des Unternehmens sprächen namhafte Kooperationspartner wie Aventis und Schering. Den Erlös aus dem Börsengang in Höhe von 108,58 Millionen Mark will das derzeit 80 Mitarbeiter starke Unternehmen laut Sprecherin Christine Bohner für die Weiterentwicklung bestehender Projekte einsetzen und interessante Produkte einlizensieren.Insgesamt wurden 2,585 Millionen Medigene-Namensaktien aus einer Kapitalerhöhung zur Zeichnung angeboten. Die Aktie ist laut Bohnert stark überzeichnet.

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