Wirtschaft : "Biotechnology 2000": Breite Unterstützung für Biopatent-Richtlinie

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Experten aus Industrie und Wissenschaft halten die Patentierung von Genen für notwendig, um die Forschung voranzutreiben. "Kein Unternehmen würde für 600 Millionen Dollar ein neues Medikament entwickeln, wenn es nicht die Möglichkeit hätte, das Medikament exklusiv zu nutzen", sagte George Poste, Vorstandschef der US-Firma Health Technology Networks, am Dienstag auf dem Weltkongress "Biotechnology 2000" in Berlin.

Den Einwänden von Kritikern der Genpatentierung wie der Umweltschutzorganisation Greenpeace hielt der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Smithkline Beecham entgegen, dass ein Gen-Patent nicht gleichzusetzen sei mit Besitz. "Menschliche Gene gehören niemandem, nur die Entdeckung von Gen-Funktionen kann patentiert werden." Poste forderte die Patentämter auf, zum "fundamentalen Patentrecht" zurückzukehren und nur dann ein Patent auf Gene zu erteilen, wenn eine konkrete Anwendung nachgewiesen sei. Das EU-Patentrecht müsse nicht geändert werden. Aber es sei notwendig, die Mitarbeiter der Patenämter zu schulen, damit sie die Reichweite der Patente besser einschätzen könnten.

Poste wandte sich gegen den Vorwurf von Kritikern, wissenschaftliche Forschung werde durch die Patentierung von Genen behindert. "Die Forschung ist nur dann ausgeschlossen, wenn sie ein geschäftliches Ziel verfolgt." Das Problem sei, dass immer mehr Forscher auch Unternehmer seien.

"Der Patenschutz ist für jede Firma von existenzieller Bedeutung", betonte auch Peter Stadler, der Geschäftsführer der Kölner Biotech-Unternehmens Artemis. Die Absicherung des geistigen Eigentums durch leistungsfähige Patente sei Voraussetzung dafür, Geld von Banken und Venture Capital-Gesellschaften zu bekommen.

Das Jahr 2000 sei ein Rekordjahr in Bezug auf die Mobilität von Kapital gewesen, sagte Stadtler. Bis jetzt seien europaweit 15 Biotech-Unternehmen an die Börse gegangen, allein in Deutschland waren es drei. Über Börsengänge hätten die Unternehmen insgesamt rund 2,1 Milliarden Dollar mobilisieren können. Indikatoren für eine Änderung des Trends gebe es bislang nicht. Allerdings werde die Intensität nicht auf hohem Niveau anhalten. Firmen müssten aufpassen, dass sie auch nach dem Börsengang positive Nachrichten verbreiteten.

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, die der Amerikaner Craig Venter im Frühsommer verkündet hatte, werde nicht alle Probleme lösen. "Ob es positiv ist für die Pharmaforschung, hängt von vielen Faktoren ab", sagte Stadler. Die Sequenzierung habe "unglaubliche Mengen an Geld mobilisiert" und die Methodenvielfalt unglaublich nach vorn gebracht. "Aber eine direkte Übertragung der Ergebnisse in die Pharmaforschung ist nicht möglich", sagte er. Die Struktur der Branche habe sich in den letzten vier Jahren verändert. Während 1996 Großbritannien eindeutig dominiert habe, gebe es heute durch die starke Entwicklung des Neuen Marktes eine Gleichverteilung nach Zahl und Größe der Unternehmen sowie Risikokapital.

Die anstehende Umsetzung der europäischen Biopatentrichtlinie in deutsches Recht wurde von den Experten begrüßt. "Wenn ich mir vorstelle, dass weitere 14 Jahre über die Richtlinie diskutiert wird, würde ich das für ethisch bedenklich halten", sagte Ethikprofessor Ludger Honnefelder von der Universität Bonn.

In mehr als 400 klinischen Studien, davon allein 300 in der Krebsforschung und -bekämpfung, würden derzeit weltweit gentechnische Methoden erprobt, sagte Joachim-Friedrich Kapp vom Berliner Pharmakonzern Schering. Ziel sei es, Arzneimittel sicherer und wirkungsvoller zu machen beziehungsweise neue Ansätze für bislang unbehandelbare Krankheiten zu finden. "Es ist noch nicht abzusehen, bei welchen Krankheiten demnächst die Biotechnologie eine prominente Rolle spielen wird", sagte Kapp. Das könne nicht vor dem Ende dieses Jahrzehnts beantwortet werden. "Einige Studien können uns aber vorsichtig optimistisch stimmen."

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