Wirtschaft : "Biotechnology 2000": "Mittelfristig setzt sich die grüne Gentechnik durch" (Interview)

Herr Romanowski[gemessen an der Zahl der Biotech-]

Gerd Romanowski ist Geschäftsführer der Industrievereinigung Biotechnologie, die rund 150 deutsche Biotech-Firmen vertritt.



Herr Romanowski, gemessen an der Zahl der Biotech-Unternehmen liegt Deutschland mit knapp 280 an der europäischen Spitze. Wo stehen wir im Vergleich zum Vorreiter Amerika?

Deutsche Biotechnologie-Firmen sind auf dem Weg an die Spitze. Die Dynamik der Umsatzzuwächse hat im vergangenen Jahr um 30 Prozent zugelegt, die Zahl der Beschäftigten ist um 40 Prozent auf 8000 gewachsen. Von den 36 gentechnischen Medikamenten, die 1999 zugelassen wurden, stammen 15 aus den USA, sechs aus Deutschland und zwei aus Großbritannien. Wir holen auf, aber mit den USA sind wir trotzdem noch nicht zu vergleichen.

Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Biotech-Unternehmen mehr als verdoppelt. Wird die Dynamik anhalten?

Eine Konsolidierung ist noch nicht in Sicht. Aber das Wachstum wird sich vermutlich verlagern: In Zukunft wird es insgesamt weniger Unternehmensgründungen geben, dafür werden die bestehenden Unternehmen beim Umsatz und der Zahl der Beschäftigten zulegen.

Wo sehen Sie noch Probleme?

Bei der grünen Gentechnik, also dem Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft. Die Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung werden wir so schnell nicht überwinden können. Das wirkt sich negativ auf die politische Stimmung aus und blockiert die Genehmigungsverfahren. Und das schafft wieder Misstrauen in der Bevölkerung. Die EU hat seit zwei Jahren keine Zulassung für gentechnisch verändertes Saatgut erteilt. Mittelfristig gehe ich aber davon aus, dass sich die grüne Gentechnik durchsetzen wird. Die Unternehmen müssen erst Produkte entwickeln, die einen konkreten Nutzen für den Verbraucher haben. Aber das kann noch Jahre dauern.

Die IT-Branche beklagt den Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen. Kennen Sie das Problem?

Der Markt für Bioinformatiker ist schon jetzt leergefegt, in zwei bis drei Jahren werden wir auch einen Mangel an Chemikern haben. Darum ist es ist dringend notwendig, dass wir unsere naturwissenschaftliche Ausbildung modernisieren und flexibilisieren. Der Wechsel zwischen Universitäten und Studiengängen muss vereinfacht werden.

Biotech-Unternehmen verdienen in den ersten Jahren kaum Geld. Wie schaffen Sie es, trotzdem gute Mitarbeiter an sich zu binden?

Die meisten Firmen legen Mitarbeiterbeteiligungs-Programme auf. Aber gegenüber dem Ausland haben wir einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil: Stock Options werden in Deutschland steuerlich schlechter behandelt als in Ländern wie den USA. Wir arbeiten daran, dass sich das ändert.

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