Wirtschaft : Bis zu 5000 Zeugen in Liechtenstein-Steuerprozess

Düsseldorf/Berlin - Die Affäre um Schwarzgeldkonten in Liechtenstein entwickelt sich offenbar zu einem nationalen Skandal. Nach Angaben der Hamburger Anwältin, die dem Rostocker Landgericht vor wenigen Tagen Unterlagen über Steuersünder übergeben hat, handelt es sich um weit mehr als die bislang berichteten 1850 Kundendaten. „Auf den meisten Datensätzen sind gleich mehrere Personen drauf“, sagte Leonore Gottschalk-Solger dem „Handelsblatt“. „Teilweise findet man dort bis zu drei Personen.“ Die Zahl der betroffenen Verdächtigen würde sich damit auf rund 5000 erhöhen.

Diese Personen will die Anwältin nun als Zeugen vor Gericht laden lassen. „Ich habe beantragt, alle in den Unterlagen genannten Personen als Zeugen zu vernehmen“, sagte sie. „Sie sollen belegen, dass es sich bei den Geldern auf den Konten um Schwarzgeld handelt und dass die LLB davon wusste.“

Hintergrund ist ein in Rostock laufender Prozess um die Erpressung der Liechtensteinischen Landesbank (LLB). In dem Verfahren müssen sich drei Männer verantworten, die die LLB mit rund 2300 Kontodaten von möglichen Schwarzgeldkunden um neun Millionen Euro erpresst haben sollen. Teilweise soll die Bank Unterlagen bereits zurückgekauft haben. Doch Gottschalk-Solger legte nun zur Entlastung des Hauptangeklagten Michael F. offenbar doch noch im Umlauf befindliche Daten dem Gericht vor. Diese Daten, die die Jahre 1999 bis 2003 betreffen, werden zurzeit daraufhin überprüft, ob es sich tatsächlich um unversteuertes Vermögen handelt. In diesem Fall will die Staatsanwaltschaft unverzüglich die Steuerfahndung einschalten. Der Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, Peter Lückemann, bestätigte, dass die meisten Kunden aus Süddeutschland stammten. ke/saf (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar