Wirtschaft : Bis zum 14. Februar will Vodafone mitteilen, ob die Übernahme des Düsseldorfer Konzerns gelungen ist

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Bisher stand der Mannesmann-Aufsichtsrat hinter dem Vorstand des Unternehmens. Er unterstützte das Management, das nach wie vor das Übernahmeangebot des britischen Mobilfunkunternehmens Vodfone-Airtouch ablehnt. Nun übe DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, Mitglied des Mannesmann-Aufsichtsrats, Druck auf Vorstandschef Klaus Esser aus, doch mit Vodafone über eine einvernehmliche Lösung zu verhandeln. Das berichtet das Wallstreet Journal unter Berufung auf informierte Kreise.

Mannesmann-Sprecher Manfred Söhnlein sagte dagegen, der Aufsichtsrat stehe weiterhin geschlossen hinter Klaus Esser. Bei Daimler-Chrysler hieß es: "Wir kommentieren Vorgänge in anderen Unternehmen nicht." Auch andere Mitglieder des Gremiums wollten keine Stellung nehmen. Ein Beobachter sagte, die Aufsichtsratssitzung sei lange geplant gewesen. Trotzdem werde das Treffen offenbar als Indiz gewertet, dass der Aufsichtsrat seine Meinung geändert habe. Dies sei aber nicht der Fall.

Vodafone stehe weiter zu Verhandlungen mit Mannesmann bereit, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Das sagte Clarke Richards, bei Vodafone unter anderem zuständig für das Neugeschäft in Europa, dem Tagesspiegel am Mittwoch in Berlin. Zur Zeit gebe es aber keine Gespräche mit Esser. Vodafone rechne mit dem Gelingen der Übernahme: "Die Zeichen im Markt deuten auf einen Erfolg für uns. Dass sich der Abstand zwischen dem aktuellen Wert des Angebots und dem aktuellen Wert der Mannesmann-Aktie verringert hat, ist ein Indiz dafür", sagte Richards. Die Mannesmann-Aktie erreichte ein neues Rekordhoch von 320 Euro. Die Vereinbarung mit dem französichen Mischkonzern Vivendi über die Gründung eines gemeinsamen Internetunternehmens, habe offenbar viele Investoren von der Vodafone-Strategie überzeugt. Allerdings könne und dürfe Vodafone vor Ablauf der Annahmefrist am 7. Februar um 24 Uhr nicht sagen, wieviele Anleger Vodafone tatsächlich schon auf seiner Seite habe. Doch dann solle alles sehr schnell gehen: "Wir werden spätestens am 14. Februar das Ergebnis verkünden." Richards sagte, dass Vodafone selbst weniger als ein Prozent der Mannesmann-Aktien halte und dass es seinem Unternehmen und den beratenden Banken nicht gestattet sei, jetzt Mannesmann-Papiere zu erwerben.

Vodafone werde auch nach der Vereinbarung mit Vivendi hauptsächlich auf den Mobilfunk setzen, wolle aber nach erfolgreicher Mannesmann-Übernahme die Mehrheit an den Mannesmann-Festnetzgesellschaften behalten. "Wenn wir die Wahl haben, 100 Mark in den Mobilfunk oder in das Festnetz zu investieren, werden wir uns immer für den Mobilfunk entscheiden", sagte Richards.

Zu einem eventuellen Einstieg von Mannesmann beim Online-Dienst AOL sagte er, Vodafone sei selbst in Gesprächen mit AOL. "Es wäre nicht logisch, wenn Vodafone als einer der größten Mobilfunkanbieter nicht mit AOL, einem der größten Anbieter von Inhalten, sprechen würde. AOL wäre als Partner von Vodafone denkbar." Mannesmann denke offenbar an eine Minderheitsbeteilung und gehe dabei das Risiko ein, die Kontrolle über die Kunden zu verlieren. "Es ist ausschlaggebend diesen Kundenstamm zu kontrollieren, um selbst zusätzliche Dienste anbieten zu können", sagte Richards.

Richards bekräftigte erneut, dass die Abspaltung der Mobilfunkgesellschaft Orange nach der Mannesmann-Übernahme für die verbliebenen Mannesmann-Aktionäre keinen Nachteil bedeuten werde. Ein Sprecher der EU-Kommission kündigte am Mittwoch an, dass die Kommission die Abspaltung von Orange genau prüfen werden.

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