Wirtschaft : Bis zum Abpfiff

Mit Fußball-Aktien kann man spielen – mit BVB-Aktien sogar gewinnen.

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Vorbereitet. Die Fußball-EM 2012 in Polen wird die Aufmerksamkeit auf Fußball- und Sportaktien lenken. Foto: dpa
Vorbereitet. Die Fußball-EM 2012 in Polen wird die Aufmerksamkeit auf Fußball- und Sportaktien lenken. Foto: dpaFoto: dpa-tmn

„Die Dortmund-Aktie kann man an die Wand kleben. Ich werde meine verkaufen, weil sie nach dem Sieg gegen uns nicht gestiegen, sondern gefallen ist. Das ist ein schlechtes Zeichen“, wetterte Uli Hoeneß kurz nach der Niederlage der Bayern gegen Borussia Dortmund. Richtig lag Hoeneß mit dieser Einschätzung bisher nicht. Die Borussen sind im Höhenflug, die zweite deutsche Meisterschaft in Folge ist greifbar, die Aktie (Wertpapierkennnummer 549309) binnen Wochenfrist um vier Prozent gestiegen. Wer schon vor drei Jahren gekauft hatte, liegt 181 Prozent im Plus.

Für 2012 stellte Geschäftsführer Hans- Joachim Watzke den Aktionären soeben gar eine Dividende in Aussicht. Doch wer die Aktie von Deutschlands einzigem börsennotierten Fußball-Verein schon länger hält, hat wenig Grund zum Jubel. Im Jahr 2000 emittiert, stürzt das Borussen-Papier parallel zur Beinahe-Pleite des Vereins im Jahr 2004 von elf Euro bis auf gut 80 Cent ab. Erst seit der Saison 2010/2011 erholt sich der Kurs wieder.

Auch alle anderen Fußball-Aktien Europas haben Anlegern fast durchweg nur Verluste beschert. Juventus-Anleger (WKN 794314) müssen seit 2007 fast 75 Prozent abschreiben, Celtic (WKN 905326) verlor im gleichen Zeitraum etwa die Hälfte. Der niederländische Spitzenclub Ajax Amsterdam (WKN A0H0RS) bescherte seinen Aktionären in den vergangenen drei Jahren immerhin ein Plus von 16 Prozent, liegt langfristig jedoch ebenfalls im Minus. Lazio Rom hingegen, die in der italienischen Liga abgeschlagen hinter Juventus und Mailand auf Platz drei liegen und damit Gefahr laufen, die profitable Champions League zu verpassen, ließen die Anleger zuletzt fallen: Das Papier verlor elf Prozent seit Mitte März.

Insgesamt 21 Fußball-Vereine aus Europa und der Türkei sind an einer Börse notiert – Tendenz fallend. Vor allem die verschuldeten englischen Clubs haben ihre Ausflüge in die Welt des Kapitals beendet. Waren vor zehn Jahren noch 20 britische Vereine an der Börse notiert, so hat sich mit Tottenham im Januar der letzte englische Club von der London Stock Exchange verabschiedet. Einzig die Schotten von Celtic Glasgow sind noch dabei.

Die Geschäftsmodelle Sport und Börse, sagen Experten, seien schwer auf einen Nenner zu bringen. Während die Aktionäre Gewinne und deren Ausschüttungen sehen wollen, setzen Verein und Fans nicht auf Bares, sondern auf sportliche Erfolge, also meist teure Transfers und gut bezahlte Trainer. Auch der Zwang zu mehr Transparenz macht vielen Fußball-Managern zu schaffen. „Fußballaktien sind eher Fanartikel denn Geldanlage“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wie der Erfolg mit dem runden Leder seien auch die Aktien extrem volatil und schwer kalkulierbar. Zwar sei der BVB gerade in einem Höhenflug, doch könne dies auch rasch wieder vorbei sein. Wer seinen Verein unterstützen wolle, könne ruhig Fußball-Aktien kaufen, sagt Kurz. Wissen müsse er jedoch auch, dass „schon die verletzte Achillessehne eines Leistungsträgers oder ein verpatzter Kopfball zu einem Kurssturz führen können.“ Für einen soliden, langfristigen Vermögensaufbau sind Kicker-Papiere also eher nicht geeignet.

Vor allem für die Borussia sind die Experten vom Performaxx-Anlegerbrief da deutlich optimistischer: Der BVB sei derzeit „einer der gesündesten europäischen Profifußball-Clubs mit einer Eigenkapitalquote von 30 Prozent und Nettoschulden von 60 Millionen Euro – bei einem „konservativ geschätzten“ Kaderwert von 150 Millionen Euro. Die aufstrebenden jungen Dortmunder Spieler, vermutet der Börsenbrief, dürften dem BVB in naher Zukunft Transfererlöse bescheren, die beim Vierfachen der Personalkosten lägen. Allerdings sei davon auszugehen, dass in der kommenden Saison höhere Kosten für die Spieler fällig würden. Dennoch halten die Experten die Borussia-Aktie beim derzeitigen Kurs von gut 2,50 Euro für sehr günstig bewertet: „Man muss kein Borussen- Anhänger sein, um darin ein solides, wenngleich naturgemäß nicht unvolatiles Investment zu erkennen.“

Langfristig haben es nur ganz wenige Clubs geschafft, sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg zu koppeln. Dazu gehört vor allem Manchester United, der englische Rekordmeister und nach Real Madrid der einkommensstärkste Verein der Welt. Allerdings: ManU ist derzeit nicht mehr an der Börse, denn US-Milliardär Malcolm Glazer übernahm den Verein 2005 und beendete die 14-jährige Börsengeschichte von Manchester. Der Kurs hatte sich bis dahin verzehnfacht.

Nun jedoch ist eine Neuauflage geplant: Weil Manchester von Schulden geplagt wird, überlegt Glazer einen neuen Börsengang – diesmal jedoch in Asien, denn fast zwei Drittel der 300 Millionen ManU- Fans kommen aus dem Fernen Osten. Um dem Schuldenberg von ManU Herr zu werden, plant Glazer ein IPO in Singapur oder Hongkong, das ihm 600 Millionen bis eine Milliarde Pfund einbringen soll.

Doch wie selten Erfolgsgeschichten bei Kicker-Papieren sind, zeigt der Stoxx Europa Football, ein Aktienindex, der alle an europäischen Börsen gelisteten Fußballaktien, aber auch die drei Istanbuler Vereine Fenerbahce, Galatasaray und Besiktas enthält. Binnen fünf Jahren sank der Index um rund 60 Prozent. Auch auf Sicht eines Monats und eines Jahres haben Anleger dem Fußball-Markt eher die rote Karte gezeigt. Es bleibt also trotz einiger Highlights dabei: Fußball eignet sich eher fürs Herz als für die Geldbörse. Uli Hoeneß könnte am Ende doch noch recht behalten.

Doch es gibt Alternativen: Immer öfter zapfen auch deutsche Fußballvereine ihre Fans über Anleihen an. So haben Hertha, St. Pauli und zuletzt auch Schalke 04 sich von ihren Anhängern Geld geliehen. An der Börse handelbar sind diese Anleihen zwar nicht. Doch dafür können Fans sie sich als Schmuck-Urkunden liefern lassen und gerahmt ins Wohnzimmer hängen. Die Vereine belohnen die Treue mit Zinsen von bis zu sechs Prozent – und damit deutlich mehr als Sparbücher. Ausfälle gab es bisher keine.

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