Bischöfe streiten über Rettung : Glaubenskrise bei Weltbild

Die Zukunft von 6000 Angestellten des Weltbild-Konzerns steht auf dem Spiel. Die Eigentümer, die katholischen Bischöfe, scheinen aber den Glauben an das Unternehmen verloren zu haben - und streiten ums Geld.

Claudia Keller
Kardinal Reinhard Marx will im Streit vermitteln. Entscheiden kann er nicht.
Kardinal Reinhard Marx will im Streit vermitteln. Entscheiden kann er nicht.Foto: dpa

Der Empfang für die katholischen Bischöfe in Würzburg am Montagvormittag war frostig. Rund 80 Demonstranten begrüßten sie mit Trillerpfeifen, Gewerkschaftsfahnen und schrien ihnen ihre Wut entgegen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man unsre Zukunft klaut“, war auf einem Plakat zu lesen. Es ging ja auch um viel an diesem Montag. Um das Schicksal von über 6000 Arbeitnehmern.

Die Chefs der 27 deutschen Bistümer kamen am Montag im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten zu einem Treffen des Ständigen Rates der Bischofskonferenz zusammen. Dabei stand ab dem späten Nachmittag auch die Zukunft des angeschlagenen Konzerns Weltbild auf dem Programm.

„Wir haben den Glauben an die Bischöfe verloren, und die Bischöfe glauben auch nicht mehr an Weltbild“, sagte ein Mitglied des Betriebsrats resigniert. Dessen Vorsitzender Peter Fitz appellierte an die Bischöfe, „sich einen Stoß zu geben und ihre Uneinigkeit zu beenden“.

Nach wie vor sind alle 27 Bistümer als Eigentümer an Weltbild beteiligt, wenn auch mit unterschiedlich großen Anteilen. Doch die meisten Bischöfe wollen lieber heute als morgen aussteigen. Lediglich die drei Bistümer München-Freising, Augsburg und Eichstätt sowie die Militärseelsorge wollen weiter Eigentümer bleiben. „Ihre Situation bewegt uns“, hatte denn auch Kardinal Reinhard Marx von München-Freising den Demonstranten am Montag gesagt. Er gab zu, dass die beteiligten Bischöfe und Gesellschafter Mitverantwortung für die prekäre Situation trügen und versicherte, dass die Bischöfe zu ihrem Versprechen stehen würden, 65 Millionen Euro für die Rettung des Medienkonzerns zur Verfügung zu stellen. Entscheidend sei, das laufende Geschäft aufrechtzuerhalten und Arbeitsplätze zu sichern. Ihm selbst sei es ein Rätsel, wie der Finanzbedarf für Weltbild „innerhalb von 24 Stunden von 65 Millionen auf das Doppelte steigen konnte“. Am Freitag hatten die Weltbild-Manager 130 Millionen Euro gefordert.

Doch woher auch nur die 65 Millionen Euro kommen sollen, war am Montagvormittag noch unklar. Am Freitag waren die Bistümer München-Freising und Augsburg mit einer Kreditzusage in Höhe von 35 Millionen Euro vorbeigeprescht, wodurch sich andere Bischöfe unter Druck gesetzt fühlten. Wie viel welcher Bischof in den Topf einzahlt, sollte am Montagabend verhandelt werden. Bei Redaktionsschluss stand noch kein Ergebnis fest.

Der Noch-Bischofskonferenz-Vorsitzende Robert Zollitsch bemühte sich um einen Kompromiss, mehr kann er nicht tun. Er hat keine Druckmittel oder Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den anderen Bischöfen und fungiert nur als Moderator. (mit KNA)

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