Wirtschaft : Bit by bit will an die Börse

Notierung im Berliner Freiverkehr noch für 1998 geplant

BERLIN (jojo).Das Berliner Computerhaus bit by bit Software AG will noch in diesem Jahr an die Börse gehen.Das Unternehmen plane die Notierung im Berliner Freiverkehr schon für November, sagte Unternehmensgründer Martin Reiter dem Tagesspiegel.Bereits jetzt können Anleger die Aktien des Unternehmens privat kaufen: Gegenwärtig läuft eine Kapitalerhöhung, bei der die Anteile zum Preis von 29 DM pro Stück verkauft werden.Bit by bit entwickelt und verkauft das Computer-Programm "OrgAnice" für die kombinierte Adress-, Korrespondenz- und Formularverwaltung. Hunderttausende von Computernutzern arbeiten mit "OrgAnice" auf ihrem PC - das Resultat einer jahrelangen Zusammenarbeit mit der Computerkette Vobis.Auf diese Weise bekam das Programm innerhalb kürzester Zeit viele Fans in ganz Deutschland und eine ganze Menge Aktionäre ebenfalls.Denn die heute rund 200 Anteilseigner setzen sich zu einem großen Teil aus begeisterten Anwendern zusammen.OrgAnize-Fans in ganz Deutschland hätten sie Anfang 1996 angeschrieben, ob sie nicht Aktien von bit by bit kaufen wollten, erinnert sich Vorstand Martin Reiter.Bei den Banken in der Hauptstadt war das Unternehmen vom Berliner Wittenbergplatz zuvor nur auf taube Ohren gestoßen. Nicht so bei den Investoren: Es dauerte nicht lange, und 900 000 DM kamen aus den Aktienverkäufen in die Kassen - bevor die Firma überhaupt eine Aktiengesellschaft war.Die Umwandlung von der GmbH in die AG zog sich über anderthalb Jahre hin, erinnert sich Reiter mit Verbitterung.Größtes Hindernis war die Bewertung des Unternehmens, da außer Software kein Vermögen da war - und Disketten lassen sich eben schwer taxieren.Der Ausweg lag schließlich im Ertragswertverfahren, nach dem die in der Zukunft zu erzielenden Erträge herangezogen werden."Anfang 1997 bekamen wir das OK vom Handelsrichter", erzählt Reiter.Die Aktionäre mußten dennoch bis siebten Oktober letzen Jahres warten, ehe sie ihre Anteile endlich bekamen."Wir haben damals viel Zeit mit dem Lesen von Gesetzestexten und den Richtlinien der Wirtschaftsprüfer verbracht", erinnert sich der Invormatiker, "ums Geschäft konnten wir uns kaum noch kümmern." Damit noch nicht genug: Um das komplizierte Verfahren über die Bühne zu bekommen, heuerten die Berliner eine der renommiertesten deutschen Anwaltskanzleien an."Das kostet richtig Geld", so Reiter.Die Ausgabe hat sich gelohnt.Heute hat bit by bit bereits die zweite Kapitalerhöhung in Angriff genommen und im Sommer soll die dritte Tranche folgen.Dann seien eine Million Aktien frei handelbar und das Unternehmen könne aufs Parkett, sagt Reiter."Wir trommeln und werben um die Aktionäre", ist er sich des Aufwands bewußt. Gut zwanzig Prozent der Anteile sind in Streubesitz, 80 Prozent halten Richter und Mit-Gründer Markus Zielniok sowie weitere Familienmitglieder.Die Verwandten waren es, die 1992 einsprangen, als die Banken kein Geld freimachen wollten. Die Zurückhaltung der Kreditinstitute scheint sich zu rächen.Im vergangenen Jahr hat die Büro-Software bereits 1 Mill.DM in die Kassen gebracht.Im Jahr 2000 sollen es dann sogar 6 Mill.DM sein.13 Menschen arbeiten mittlerweile für bit by bit.Trotz des rapiden Wachstums soll das Unternehmen klein und schlank bleiben.Die Firma setzt auf den Vertrieb durch bundesweit 70 Berater, Fachhändler und Systemhäuser.Daneben versuchen die Existenzgründer, mit den Großen der Branche ins Geschäft zu kommen, beispielsweise Siemens, Telekom oder Matra.Siemens wirbt bereits in Berlin für "OrgAnice" in Verbindung mit den Computern und Telefonen des Elektroriesen. Auf der Computermesse Cebit im Frühjahr in Hannover wird bit by bit die englische Version von "OrgAnice" vorstellen.Damit soll zukünftig der Sprung über den Atlantik auf den lukrativen US-Markt gelingen.Damit die Kunden vom tollen Produkt aus Berlin auch erfahren, hat Reiter kürzlich die deutsche Top-Werbeagentur Scholz & Friends angeheuert.Mit ihr sollen auch spezielle Zielgruppen wie Rechtsanwälte und Immobilienmakler gezielt angesprochen werden. Wann bit by bit schließlich auf dem Berliner Kurszettel erscheinen wird, steht noch nicht fest.Reiter hat noch nicht einmal einen Partner für den Börsengang ausgesucht.Denn bislang hat sich das Unternehmen ganz ohne Bank entwickelt."Jeder Satz im Verkaufsprospekt stammt von uns", betont Reiter.Seine Aktien will der Unternehmer weiter halten - schon als Zeichen des Vertrauens in die Firma.

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