Bitkom-Präsident Kempf : "Sicherheit ist eine Frage des Preises"

Vertrauen ist das große Thema auf der diesjährigen Cebit. Dieter Kempf ist Präsident des Branchenverbands Bitkom. Mit dem Tagesspiegel spricht er über Cloud-Computing und Datenschutz.

Foto: Bitkom
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Herr Kempf, das Cebit-Motto ist Vertrauen schaffen. Fehlt es dem Cloud-Computing an Vertrauen oder an der Sicherheit?

Beim Cloud-Computing ist Vertrauen ein wesentliches Kriterium, denn der Partner, mit dem ich das mache, hat Daten und Rechner, die für mein Unternehmen in aller Regel eine kritische Ressource darstellen. Ich muss also sicher sein, dass die Rechner immer laufen und die Daten sicher sind – sowohl technisch als auch was den Datenschutz betrifft.

Wie steht es mit dem Datenschutz?

Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden derzeit intensiver diskutiert als faktisch angemessen ist. Im Zentrum steht der US-Patriot-Act. Der gibt amerikanischen Behörden das Recht, zum Zwecke des Heimatschutzes auf Daten zuzugreifen, die auf Servern in Amerika oder auf Servern von in den USA tätigen Unternehmen weltweit gespeichert sind. Das ist natürlich problematisch aus Sicht des Datenschutzes. Aber nicht für jedes Unternehmen entstünde aus einem Zugriff von US-Behörden zwangsweise wirtschaftlicher Schaden. Daher lenkt diese Diskussion davon ab, dass es beim Thema Datensicherheit in der Cloud in erster Linie darum geht, illegale und kriminelle Angriffe abzuwehren. Das ist unsere tägliche Herausforderung.

Kann es einem Mittelständler egal sein, wenn US-Behörden seine Daten ansehen?

Es gab seit Einführung des US-Patriot-Act etwa ein Dutzend Untersuchungen auf nicht-amerikanischen Servern. Das steht in keiner Relation zu den hunderttausenden Angriffen, die Firmen täglich abwehren müssen. Aber natürlich fordern wir von der Politik, das Thema Online- Durchsuchung völkerrechtlich zu klären, damit überall die gleichen Bedingungen gelten – möglichst nach deutschem Modell.

Abgesehen vom Datenschutz: Ist Cloud- Computing technisch sicher?

Generell gilt, dass in Cloud-Computing- Strukturen höhere Sicherheitsstandards zu vernünftigen Kosten realisiert werden können, als es ein kleines oder mittelständisches Unternehmen selbst leisten kann. Bei einer zentralisierten Datenhaltung steigt andererseits natürlich die Gefahr, dass diese von Angreifern attackiert wird, die mit einem Schlag besonders viele Daten erbeuten wollen. Dennoch ist das Schutzniveau – bei gleichen Kosten – in einem Rechenzentrum um ein Vielfaches höher als in einer kleinen Firma.

Für die neuen Dienste braucht man leistungsfähige Netze. Hat Deutschland die?

Der Glasfaserausbau ist das A und O. Dabei meinen wir nicht, dass jeder Bauernhof mit Glasfaser angeschlossen werden soll. Ein vernünftiges Ziel wäre es aber, bis 2015 zunächst einmal alle deutschen Gewerbegebiete mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen. Dazu ist noch eine gemeinsame Anstrengung von Politik und Wirtschaft nötig.

Dieter Kempf ist Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien und Vorstandschef der Datev. Mit ihm sprach Corinna Visser.

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