Wirtschaft : Bitte nicht Friseurin!

Wie die Arbeitsagentur für Lehrberufe wirbt

Patrick Weber

Berlin - Kochen wie Jamie Oliver – das ist nicht nur der Traum von so manchem Hobbykoch, sondern auch von vielen Azubis, wie ein Blick auf die Liste der begehrtesten Ausbildungsberufe zeigt: Koch gehört zu den zehn beliebtesten Berufen. „Medien prägen das Berufswahlverhalten“, sagt Anja Huth, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Der Berufswunsch Koch würde durch die Kochshows im Fernsehen gefördert. Überhaupt wählten viele Jungendliche nur solche Berufe, die sie aus dem Alltag kennen.

Die Folge: In Deutschland gibt es derzeit 349 Ausbildungsberufe. Dennoch verteilen sich drei Viertel aller Lehrlinge auf nur 44 Berufe. Bei Frauen entfallen sogar ein Viertel aller Lehrstellen auf nur vier Berufe: Kauffrau im Einzelhandel, Verkäuferin, Bürokauffrau und medizinische Fachangestellte. Bei Männern ist die Vielzahl der Berufe ähnlich eingeschränkt. Noch immer dominieren die klassischen Berufe: Einzelhandelskaufmann, Kraftfahrzeugmechatroniker und Industriemechaniker. „Noch immer wollen die Jungen KFZ-Mechatroniker werden und die Mädchen lieber ins Büro“, sagt Huth und fügt hinzu: „Eine Veränderung lässt sich aber schon feststellen. Es gibt immer mehr junge Männer, die ins Büro wollen, anstatt in einer Werkstatt zu arbeiten.“ Auch das fördere die Nachwuchsschwierigkeiten des Handwerks.

Um über mögliche Alternativen zu informieren, schickt die Bundesagentur deshalb Mitarbeiter in Schulen. „Unsere Berufsberater gehen schon in die achte Klasse zur Berufsberatung“, sagt die Sprecherin. Dort würden sie den Schülern klarmachen, dass es nicht bloß die Berufe gibt, die sie aus ihrem Umfeld kennen. „Wir versuchen die Schüler auf die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) aufmerksam zu machen. Wir glauben, dass in diesen Branchen in Zukunft der Schwerpunkt liegen wird.“ Versucht würde auch, Mädchen davon abzuhalten, Friseurin zu werden. Das ist bei Mädchen immerhin der fünftbeliebteste Ausbildungsberuf. Friseurin sei jedoch ein typischer „Sackgassenberuf“, der schlecht bezahlt sei und kaum eine Perspektive biete.

Laut einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung interessieren sich viele Jugendliche bei ihrer Berufswahl aber gar nicht für die Perspektive. Ihnen geht es vor allem darum, dass ihr Beruf bei anderen Personen gut ankommt. Patrick Weber

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