Wirtschaft : Bittersüßer Genuss

Die Industrie profitiert von mehr Nachfrage nach dunkler Schokolade

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Das Knistern von Stanniol beim Öffnen, der Duft, dann der zarte Schmelz auf der Zunge – Schokolade gehört zu Advent und Weihnachten wie Tannenzweige und Kerzen. Deutlich mehr als ein Drittel ihres Jahresumsatzes macht die Schokoladenindustrie in dieser Zeit. Und obwohl die Süßwarenbranche insgesamt klagt, dass das Jahr bisher nicht so gut gelaufen ist: Bei Schokolade sieht es besser aus, sagt Karsten Keunecke, Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Die Verbraucher müssen jedoch fürchten, dass Schokolade bald teurer wird.

Knapp 380 000 Tonnen Schokolade und Schokoladewaren wurden im ersten Halbjahr 2005 in Deutschland produziert – 2,8 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2004. Der Wert stieg sogar noch etwas stärker an – um 3,2 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Grund: Besonders bei Premiummarken und exquisiten Sorten sei die Tendenz positiv, sagt BDSI-Geschäftsführer Keunecke. Was die Zahlen nicht zeigen: Die Produktion steigt zwar, aber der Absatz im Inland schrumpft.

Dennoch freut sich die Branche, dass Schokolade immer weniger mit extremen Billigpreisen als Lockvogelangebot im Supermarkt eingesetzt werde, sagt Keunecke. Der enorme Preisdruck im deutschen Lebensmittelhandel geht zwar auch an den Schokoladenherstellern nicht spurlos vorbei. Im vergangenen Jahr habe es bei Schoko-Nikoläusen einen regelrechten Preiskampf gegeben, sagt Keunecke. „Einige Händler hatten lange vor Weihnachten die Preise reduziert“, sagt er. „Aber dieses Jahr habe ich noch keine Klagen gehört.“ Beim Discounter Lidl etwa heißt es: „Wir erwarten keinen Preiskampf bei Weihnachtsmännern und anderen Weihnachtsschokoartikeln.“ Den Kinder-Schokoladen- Weihnachtsmann, der eigentlich 1,89 Euro kosten sollte, hat Lidl diese Woche allerdings bereits reduziert.

Nicht nur, dass in diesem Jahr der Preiskampf bei Schoko-Weihnachtsmännern ausfallen könnte. Die Preise für Schokolade könnten bald sogar steigen: Eine Dürreperiode und damit eine geringere Kakao- Ernte in Westafrika im Sommer vergangenen Jahres sorgen dafür, dass der Preis für Rohkakao derzeit relativ hoch ist. Noch größere Sorgen machen sich die Hersteller jedoch über die Preise für Haselnüsse und Mandeln. Haselnüsse kosteten mit rund zwölf Euro pro Kilo etwa das Vier- bis Fünffache wie noch vor zwei Jahren, sagt Keunecke. Hier ist unter anderem eine witterungsbedingt schlechte Ernte in der Türkei ein Grund. In der Folge ist auch der Preis für Mandeln stark gestiegen. Nüsse seien zwar nur ein Rohstoff. „Sollte das Preisniveau nicht deutlich sinken, werden die Hersteller das berücksichtigen müssen“, sagt Keunecke. „Dann wird die Preissteigerung auch beim Verbraucher ankommen – allerdings in geringerem Umfang.“

Der Hersteller Milka, der nach eigenen Angaben in Deutschland jedes Jahr rund 400 Millionen Tafeln Schokolade und je 25 Millionen Osterhasen und Weihnachtsmänner verkauft, hat bereits reagiert: Wegen der drastisch gestiegenen Rohwarenpreise sowie der  Erhöhung der Energie- und Logistikkosten sah sich Kraft Foods nach Angaben einer Sprecherin gezwungen, die Fabrikabgabepreise für Milka-Tafelschokolade bereits im Sommer anzuheben.

Auch bei der Firma Rausch Schokoladen, die nach eigenen Angaben Europas größtes Schokoladenhaus am Berliner Gendarmenmarkt betreibt und im niedersächsischen Peine Plantagenschokolade produziert, heißt es: „Wir gehen davon aus, dass sich beim Preis etwas tun wird.“ Vertriebsleiter Olaf Büttner sagt: „Vor allem bei neuen Produkten wird die Branche versuchen, höhere Preise durchzusetzen.“ Bei Kunden immer mehr gefragt ist zum Beispiel Bitterschokolade mit höherem Kakaoanteil. Für Büttner ist das ein Indiz, dass die Wellness- und Gesundheitswelle auch die Schokobranche erfasst hat – denn Bitterschokolade steht im Ruf, gesund zu sein. „In unseren Augen ist Schokolade ein Genussmittel“, wehrt Büttner ab. „Man sollte sie in Maßen genießen.“ Dennoch profitiert Rausch davon, dass deutsche Kunden offenbar weniger, aber bewusster zur Schokolade greifen. „Premiumschokolade boomt, Massenware geht zurück“, sagt Büttner. Die stärkste Nachfrage gebe es derzeit nach massiver Schokolade ohne Füllung. „Der Verbraucher besinnt sich auf das Ursprüngliche.“

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