Wirtschaft : Blackout in Frankfurt

Im elektronischen Aktienhandel geht eine Stunde lang gar nichts mehr. Schuld ist die Technik

Berlin - Nicht einmal eine Dreiviertelstunde lief der Börsenhandel am Montagmorgen, dann kam der Blackout: Um 9 Uhr 43 musste die Deutsche Börse ihr Computerhandelssystem Xetra abschalten. Rund eine Stunde lang ging nichts mehr. Die Aufträge der Anleger zum Kauf und Verkauf von Aktien konnten nicht ausgeführt werden und blieben liegen.

Die Deutsche Börse erklärte die Panne mit einem technischen Defekt an einem der Großrechner. „Daraus resultierte ein Stau bei der Abarbeitung von Marktinformationen. Damit die Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer sichergestellt war, wurde der Markt angehalten“, sagte ein Sprecher.

Die Händler reagierten verärgert. „Es gab keine Preise für die wichtigsten Standardwerte“, berichtete Holger Bosse von Deutsche Bank X-Markets. Man habe so gut es ging versucht, Kurse über den Parketthandel zu ermitteln. Schon im September vergangenen Jahres hatte es einen einstündigen Ausfall gegeben.

Das elektronische Handelssystem Xetra wurde 1997 eingeführt und hat seitdem den klassischen Parketthandel verdrängt. Mittlerweile werden mehr als 80 Prozent des gesamten Aktienhandels an deutschen Börsen über Xetra abgewickelt. An das Computersystem sind zahlreiche Händler und Banken auf der ganzen Welt angeschlossen. Auch die Börsen in China, Österreich und Irland haben das System mittlerweile übernommen. Der Betreiber, die Deutsche Börse, lobt Xetra für seine Liquidität, Transparenz, Geschwindigkeit und Flexibilität.

Andere sind da skeptischer. „Wir haben uns über den Ausfall geärgert. Er zeigt, dass das System nicht das beste ist“, sagte Florian Weber, Chef des Wertpapierhändlers DKM. „Zum Glück gibt es noch den Parketthandel“, meint Weber. Der Ausfall sollte all denen zu denken geben, die den traditionellen Handel an der Börse ganz abschaffen wollten.

Die Schäden hielten sich am Montag in Grenzen. „Es ist nichts angebrannt in der Zwischenzeit“, sagte ein Börsianer. Es habe keine Beschwerden gegeben, hieß es auch bei der Börse. Das Unternehmen bekam den Ausfall trotzdem zu spüren. Die Aktie des Börsenbetreibers brach nach der Panne um 2,5 Prozent ein. stek

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