Wirtschaft : Blamables Feilschen der Frankfurter Bakiers (Kommentar)

Margarita Chiari

Arroganz macht sich nicht bezahlt. Niemand sollte das besser wissen, als die Herren in der Vorstandsetage der Deutschen Bank. Den Ansehensschaden durch den Peanuts-Kommentar zur Pleite des Immobilienspekulanten Schneider hat das Geldinstitut schon einmal teuer bezahlt. Doch es sieht so aus, als hätten die Bankiers daraus nichts gelernt. Um die Rettung von Philipp Holzmann wird gefeilscht wie auf dem Teppichbasar - wohl wissend, dass ein Pleite des Baukonzerns alles bisher Gekannte bei weitem in den Schatten stellen würde. Es geht nicht nur um viel Geld. Auch 30 000 Arbeitsplätze bei Holzmann und noch viel mehr bei Subunternehmern, Baustofflieferanten und Handwerksbetrieben stehen auf dem Spiel.

Blamabel ist vor allem, dass die Deutsche Bank in der Affäre agiert, als sei sie nur ein simpler Kreditgeber - und sich da auch noch kleinzurechnen versucht. Verdrängt wird, dass das Geldhaus als zweitgrößter Aktionär, jahrzehntelanger Geschäftspartner und - mit der Stellung des Aufsichtsratsvorsitzenden - in besonderem Maß in der Verantwortung steht. Die Bank hat, vielleicht sogar mehr als der gegenwärtige Holzmann-Vorstand, bei der Erfüllung ihrer Pflichten versagt. Denn entstanden sind die Risiken zu einer Zeit, als die heutigen Holzmann-Manager noch gar nicht an Bord waren. Die Deutsche Bank hatte aber auch damals schon den Vorsitz des Aufsichtsrats. Mehr als einmal haben die Bankiers versucht, sich von dem Engagement zu lösen, liebäugelten lange mit Hochtief und waren schließlich beim heutigen Großaktionär Gevaert erfolgreich. Nun müssen sie sich dem Vorwurf stellen, dass sie wahrscheinlich mehr als andere über die Risiken Bescheid wußten. Sicher, Feilschen gehört zum Geschäft. Noch gibt es Hoffnung, dass bei den Verhandlungen der Gläubigerinstitute am Sonntag eine Lösung gefunden wird. Einen Bonus haben die Frankfurter Großbankiers aber schon zuvor verspielt.

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