Wirtschaft : Bloß keine Fachidioten Absolventen müssen Praxiswissen mitbringen

Vielen Hochschulabsolventen mangelt es an Praxiswissen. Mancher verliert deshalb den Job, wie eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ergab. Jeder vierte Betrieb nannte mangelnde Praxistauglichkeit als Grund, wenn er sich in der Probezeit von Mitarbeitern mit Hochschulabschluss trennte. Studenten müssen daher rechtzeitig anfangen, Praxiswissen zu sammeln.

Dabei geht es nicht darum, dass sie sofort alles können müssen. „Eine Einarbeitung ist fast immer notwendig“, sagt Kevin Heidenreich, Leiter Hochschulpolitik beim DIHK. Für Absolventen ist es etwa wichtig, dass sie die Sprache in der Firma kennen: Wie geht man mit dem Chef und den Kunden um? „Wenn man da schon Erfahrung hat, kommt man leichter zurecht.“

Die klassische Methode, um sich Praxiswissen im Studium anzueignen, ist das Praktikum. „Für Unternehmen ist das wichtig, um die Studenten kennenzulernen. Für die Studenten ist es wichtig, um zu sehen, ob ihnen die Tätigkeit überhaupt Spaß macht“, erklärt Heidenreich. Studenten lernen, worauf es im Berufsleben ankommt und sehen so auch, welches Fachgebiet sie im Studium vertiefen sollten. „Die können dann wirklich mitreden“, sagt Karriereberaterin Madeleine Leitner.

Auch durch Nebenjobs können Studenten wichtige Erfahrungen sammeln. Sie müssen nicht mal etwas mit dem späteren Beruf zu tun haben. Wer im Studium Nachhilfe gegeben hat, kann andere Menschen anleiten. Und wer einen Aushilfsjob am Fließband hatte, weiß, was harte Arbeit ist. „All diese Dinge helfen, dass man sieht: Die Leute haben Erfahrung und wissen, wie es an der Front zugeht“, sagt Leitner.

Ein anderer Weg, um sich vor dem Start ins Berufsleben Praxiswissen anzueignen, ist der Besuch von Seminaren, die von Unternehmern und Professoren gemeinsam gehalten werden. „Dort werden Fälle durchgesprochen, die im Unternehmen eine Rolle spielen“, sagt Heidenreich. Diese Angebote sind derzeit aber noch eher selten. Wer sich einen stärkeren Praxisbezug im Studium wünscht, kann einen dualen Studiengang wählen. „Das ist eine ganz enge Verzahnung der beiden Lernorte“, sagt Heidenreich. Denn die Studenten arbeiten im Unternehmen und studieren parallel. Sie lernen die Theorie in der Hochschule und wenden sie in der Praxis an. Eine andere Möglichkeit ist, die Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben.

An der Universität Hamburg gibt es sogar ein CareerCenter. Es bietet Seminare an, in denen Studenten lernen, Vorträge zu halten, Besprechungen zu moderieren oder Projekte zu leiten.

Generell gilt: „Die Ingenieurbereiche haben traditionell sehr gute Wirtschaftskontakte“, sagt Heidenreich. In geistes- oder kulturwissenschaftlichen Fächern gebe es diese eher selten. Auch die Firmen haben manchmal keine Vorstellung davon, was die Absolventen dieser Fächer mitbringen. Und die Studenten wissen nicht, wo sie später arbeiten können. Dabei landet die Mehrheit in der Wirtschaft und bleibt nicht an der Universität. dpa

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