Wirtschaft : Bluetooth ist eines der großen Themen auf der CeBIT

Rainer Bücken

Also, es gab ihn doch, diesen König Blauzahn. Harald Blaatand, so hieß er, lebte von 911 bis 981. Oder von 908 bis 987, so ganz genau weiß man das heute nicht mehr. Nur eines ist gewiss: Er war vor allem Wikinger. Im Nebenberuf war er ab 940 König Harald VIII von Dänemark und 20 Jahre später auch von Norwegen. Dabei lernte er den christlichen Glauben kennen und bekehrte damit die Völker beider Länder und vereinte sie. Was aber auch nicht ewig hielt.

Trotzdem nahmen sich vor zwei Jahren Wissenschaftler von Ericsson, Nokia, IBM, Intel und Toshiba diesen Blauzahn zum Vorbild, wollten sie doch auch Handy und Laptop, digitale Kamera und Klarschriftleser miteinander vereinen. Nicht, dass alles zu einem Gerät verschmelzen sollte, sondern die störenden Verbindungskabel mußten einfach verschwinden. Nun gibt es dafür schon die Infrarottechnik, doch verlangt die eben Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger. Die Blauzahntechnik sollte weiter gehen, und mindestens in einem Raum funktionieren. Für die Verbindung war denn auch kein Licht, sondern Funk vorgesehen.

Zum Funken ohne Lizenz gibt es aber nur ganz bestimmte Frequenzbereiche. Das ISM-Frequenzband ("Industrial, Scientific and Medical") zwischen 2,402 und 2,480 Gigahertz ist weltweit so einer, und mit 2,4 Gigahertz arbeiten auch die meisten Mikrowellenherde. Nur sind deren Leistungen nicht zu vergleichen: Mit einigen Hundert Watt geht es der eingefrorenen Gänsekeule unter die Haut, aber nur maximal 1 Milliwatt bringt das Bild der Weihnachtsfeier aus der Digitalkamera in den Laptop. Stehen die beiden Geräte räumlich näher beisammen, sind deutlich weniger Watt nötig. Die Datenrate beträgt ein Megabit pro Sekunde, ist also etwa 15 mal so schnell wie eine ISDN-Verbindung. Als Entfernung gelten etwa 10 Meter, wobei später eine zusätzliche Verstärkung den Aktionsradius auf 100 Meter erhöhen kann.

Bluetooth, so heißt diese Technik, mit der eben Funkverbindungen von PCs, digitalen Kameras, Mobiltelefonen, Kopfhörern und anderen tragbaren oder stationären Geräten untereinander möglich werden. Über 1420 Firmen arbeiten heute in der "Bluetooth Special Interest Group (SIG)" zusammen. Die Arbeitsgruppe formulierte zunächst die Rahmenbedingungen, nach und nach sollte sie einen allgemein akzeptierten Standard festlegen. Das ist im vergangenen Jahr passiert, und jetzt weden in Hannover bereits die ersten Prototypen gezeigt, die es in wenigen Monaten zu "akzeptablen Preisen" im Handel geben soll.

In allen Bluetooth-Geräten steckt ein kleiner Mikrochip, 9 x 9 Millimeter groß, der - zunächst - nur von Ericsson kommt. Er ist mit etwas Peripherie gewissermaßen das Herz dieser Technik, dient als Sender und Empfänger zugleich. Insgesamt stehen nur 79 Kanäle zur Verfügung, was nicht sonderlich üppig erscheint. Damit sich nun die während einer Konferenz versammelten "Blauzähne" nicht in die Quere kommen, "hoppen" die Sender von Kanal zu Kanal. Gleiches tun die auch Empfänger, beide sind miteinander synchronisiert. Mit der Zappinggeschwindigkeit eines verkorksten Fernsehabends ist das aber nicht zu vergleichen: Die "Blauzähne" springen 1600 mal in der Sekunde von Frequenz zu Frequenz, Mithörer haben keine Chancen. Jede Frequenz wird nur 625 Mikrosekunden genutzt. Das ist die Zeit, in der der Elektronenstrahl eines Fernsehgerätes gerade mal 10 Zeilen schreibt.

Trotzdem können auch mehrere Geräte zusammenspielen, gewissermaßen einen Konferenzplausch halten. Bis acht Blauzähne können synchronisieriert werden. Dann lassen sich Charts direkt in die Rechner der Konferenzteilnehmer spielen oder die Terminpläne bei größeren Projekten aufeinander abstimmen. Solche lokalen Netze sind eher die High-End-Lösungen. Am Anfang geht es wohl zunächst darum, die Kabelverbindung zwischen Handy und Hör-Sprech-Garnitur zu kappen und durch Funk zu ersetzen. Ericsson stellt jetzt eine solche Lösung vor. Die sieht dann so aus, als hätte sich jemand einen etwas dickeren Kugelschreiber hinters Ohr gesteckt und würde Selbstgespräche führen. Doch bei dem Ohrteil handelt es sich um einen kleinen Kopfhörer mit Mikrofon, Sender und Empfänger, kurz Headset genannt. Damit hätte man im fahrenden Auto gleich eine Freisprecheinrichtung. Das Foto der erwähnten Weihnachtsfeier in der Berghütte kann man natürlich auch per Funk versenden, an die Schwiegermutter zum Beispiel, wenn kein Festnetz zur Verfügung steht. Das Bild aus der Kamera ist zwar durch Bluetooth blitzschnell im Handy, doch von dort braucht es dann eine Ewigkeit, um gesendet zu werden. Zumindest bislang. Aber auch hier gibt es neue Techniken, die schneller sind. Doch das ist eine andere Geschichte.

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