Wirtschaft : Bluetooth-Technik: Schnurlos glücklich

Kurt Sagatz

Das Kabelgewirr hinter einem Computer hat schon etwas abenteuerliches. Spätestens beim Kauf von Zubehör wie Drucker, Scanner, digitalem Fotoapparat oder ISDN-Adapter wird es zusehends unübersichtlicher unterm Schreibtisch. Lästig sind die Strippen nicht nur wegen der dschungelähnlichen Zustände, die sich über die Jahre an den Computer-Rückseiten bilden, sondern auch wegen der mangelhaften Flexibilität, die mit den Kabeln einhergeht. Möglicherweise möchte man ja den Drucker an ganz anderer Stelle aufstellen. Und gerade bei einem Laptop ist es kaum einzusehen, dass man damit nur dort ins Internet gehen kann, wo man einen ISDN- oder Modem-Anschluss vorfindet. Mit all diesen Ärgernissen will eine neue Funktechnik für den Nahbereich aufräumen: Bluetooth.

Mit Bluetooth lassen sich die unterschiedlichsten Geräte per Funk verbinden. Vieles spricht dafür, dass die von Intel, Ericsson, Toshiba, IBM und Nokia im Jahr 1998 vorgestellte Technik zur Cebit 2002, die vom 13. bis zum 20. März in Hannover stattfindet, ihren Durchbruch erlebt. Genauso, wie sich auch das schnurlose Telefon durchgesetzt hat. Zu den großen Vorteilen von Bluetooth gegenüber vergleichbaren Technologien gehört die fast universelle Einsetzbarkeit der Technik - bei minimaler Größe der Geräte.

Bluetooth ist in erster Linie für den privaten Nutzer gedacht. Mehr als 2500 Unternehmen haben sich dem Bluetooth-Konsortium angeschlossen und stellen damit sicher, dass bei allen firmenspezifischen Extrafunktionen die gemeinsame Bluetooth-Grundsprache immer verstanden wird. Bluetooth funkt zur Kommunikation zwischen den Geräten über das lizenzfreie 2,4 Gigahertz-Band. In genau abgestimmtem Takt "hüpfen" Sender und Empfänger 1600 mal in der Sekunde über die 79 vorhandenen Kanäle. So kommt es zu keinerlei Engpässen und Lauscher haben - anders als bei Konkurrenztechnologien - von vorneherein keine Chance. Bluetooth-Pionier Ericsson rechnet damit, dass die Zahl der Anwender der Funktechnologie in diesem Jahr auf 100 Millionen wachsen wird.

Weniger abstrakt als die technischen Werte sind denn auch die Eigenschaften von Bluetooth-Produkten. Die Berliner Telekommunikationstechnik-Firma AVM, Marktführer bei ISDN-Karten für den Computer (Fritz-Card), hat jetzt auch ein Bluetooth-Produkt entwickelt, das die Vorzüge der ISDN-Technik in die Bluetooth-Welt überträgt: Blue-Fritz.

Gerade der Einsatz von Bluetooth bei einem ISDN-Produkt zeigt das Leistungspotenzial der Technik, die mehr kann, als nur Druckerdaten durch die Luft zu transportieren. Mit einer maximalen Übertragungskapazität von mehr als 720 Kilobit pro Sekunde hat Bluetooth genügend Reserven, beide ISDN-Leitungen voll auszuschöpfen. Mit leichten Abstrichen kann sogar eine schnelle DSL-Verbindung über die Luftschnittstelle übertragen werden. Ein entsprechendes Produkt will AVM in Hannover vorstellen.

Dabei benötigt Bluetooth nur einen Teil der Sendeleistung, die bei normalen Schnurlostelefonen anfallen. Daher ist auch die Strahlenbelastung deutlich niedriger. Je nach Einsatzgebiet wird in drei Sendeklassen übertragen. Wo nur das Handy mit der mobilen Freisprecheinrichtung kommunizieren muss, reicht die niedrigste Leistung aus. Wer jedoch in seiner gesamten Wohnung den Bluetooth-Funkadapter nutzen will, freut sich über die stärkste Leistungsklasse (maximal 100 Meter im Freien bei direktem Sichtkontakt).

Der einfachen Bedienung und der gerade im ISDN-Bereich mehr als ausreichenden Leistung stehen allerdings einige Probleme entgegen: Das 2,4-Gigahertz-Frequenzband wird auch von der konkurrierenden Wireless-LAN-Technik genutzt, hierdurch kann die maximale Übertragungsleistung sinken. Gerade im privaten Einsatz dürfte dies jedoch die Ausnahme sein. Eher wahrscheinlich ist, dass andere elektrische Geräte den Funkverkehr stören.

Das Bluetooth mehr als ein einzelnes Produkt ist, zeigen die Kombinationsmöglichkeiten. So kann der gleiche, daumengroße Bluetooth-Adapater in einem Fall die Verbindung zum Internet über ein Bluetooth-Basisstation aufnehmen. Oder man baut mit den gleichen Komponenten in der eigenen Wohnung ein Bluetooth-Kleinnetzwerk auf. Wenn man einen mobilen Handheld-Computer nutzt, können wiederum Teile der Basisstation genutzt werden, um mit dem Personal Digital Assistent online zu gehen. Im günstigsten Fall werden ganze Geräteklassen übersprungen, um beispielsweise direkt von einer Digitalkamera einen Ausdruck zu erstellen - ohne den Computer zu nutzen.

Damit jedoch die neue universelle Vernetzungstechnik tatsächlich zum großen Erfolg werden kann, müssen die Bluetooth-Chips noch billiger werden. Noch liegen die Preise zwischen 25 und 30 Euro das Stück, also weit entfernt von den zehn Dollar, die Ericsson 1998 in Aussicht stellte. Kommt es jedoch zum Durchbruch, so meinen die Analysten von Merrill Lynch, seien noch niedrigere Preise denkbar. Bei fünf Euro je Chip stünde der vollständigen Vernetzung wirklich nichts mehr im Wege. Die Marktforscher von Frost & Sullivan sehen den Markterfolg von Bluetooth in greifbarer Nähe: Sie erwarten für 2002 weltweit bereits einen Absatz von knapp 100 Millionen Bluetooth-fähigen Geräten.

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