Wirtschaft : Blumen sollen gegen Stress helfen

Der Staat subventioniert daher die Floristen: Statt 16 Prozent müssen sie nur sieben Prozent Mehrwertsteuer zahlen

Anselm Waldermann

Berlin. Ob Rosen, Tulpen oder Nelken – bei Blumen werden selbst Finanzbeamte schwach. Statt der üblichen 16 Prozent Mehrwertsteuer müssen Floristen nur sieben Prozent des Warenpreises abführen. Wie hoch die Ausfälle für die öffentliche Hand dadurch sind, lässt sich zwar „wegen unzureichenden Datenmaterials“ nicht genau beziffern, heißt es im Subventionsbericht der Bundesregierung. Bei einem jährlichen Nettoumsatz mit Schnittblumen und Topfpflanzen von 6,6 Milliarden Euro macht der Unterschied aber fast 600 Millionen Euro aus.

So wundert es nicht, dass die Bundesregierung das Blumen-Privileg mit dem Steuervergünstigungsabbaugesetz abschaffen wollte. Im März dieses Jahres scheiterte das Vorhaben jedoch im Bundesrat am Widerstand der Unionsparteien. Zu Recht, findet Nicola Espei vom Fachverband deutscher Floristen (FDF). Sie betont die kulturelle Bedeutung von Blumen: „Als Dekoration, als Geschenk oder bei Beerdigungen sind Blumen nicht wegzudenken.“ Daneben hätten Pflanzen auf Menschen eine beruhigende Wirkung und könnten Stress abbauen. Auch der ökologische Aspekt von Blumen dürfe nicht vergessen werden.

Da Blumen meistens verschenkt würden, stünden sie zudem in direkter Konkurrenz zu Büchern und Süßwaren, heißt es beim Zentralverband Gartenbau. Und weil die Mehrwertsteuer für diese Warengruppen ebenfalls nur sieben Prozent beträgt, wäre eine einseitige Anhebung für Blumen ungerecht, argumentiert der Zentralverband. Das sieht Wolfgang Henne vom Weltwirtschafts-Archiv in Hamburg ganz anders. „Ich wüsste kein gutes Argument dafür, dass ausgerechnet Blumen subventioniert werden“, sagt der Ökonom. Henne würde es begrüßen, wenn die Preise für Schnittblumen stiegen: „Der künstlich niedrige Blumenpreis geht zu Lasten des restlichen Einzelhandels.“

Und: „Wenn für alle Waren der gleiche Steuersatz gelten würde, kaufen die Konsumenten zwar weniger Blumen, dafür aber mehr andere Produkte.“ Dies wäre im marktwirtschaftlichen Sinne gerechter. Selbst das Argument der Floristen, wonach schon minimale Preissteigerungen die Nachfrage nach Blumen einbrechen ließen, will Wissenschaftler Henne nicht gelten lassen. „Meiner Meinung nach spielt in diesem Fall der Preis nicht die entscheidende Rolle“, sagt er. „Blumen werden schließlich zu ganz bestimmten Anlässen gekauft. Und an Muttertag, bei Geburtstagen oder bei Beerdigungen kommt es auf einen Euro mehr oder weniger nicht an.“

Subventionsland Deutschland – in dieser Serie berichtet der Tagesspiegel über die milliardenschweren finanziellen Wohltaten des Staates für Bürger und Wirtschaft. Morgen: Wie der Staat die „Goldene Eins“ und die „Aktion Mensch“ begünstigt .

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