Wirtschaft : Blutdruck im Verkehr

Tewe Pannier

Für preußische Protestanten geht vom Straßenverkehr auf der Arabischen Halbinsel eine ganz besondere Gefahr für die Gesundheit aus. Zwar befindet sich hier jeder in akuter Lebensgefahr, der sich auf die Straße begibt – egal, welcher Religionsgemeinschaft er angehört. Aber wer sein Autofahrer-Leben bisher im Rahmen der Straßenverkehrsordnung verbracht hat, gerne den Blinker setzt beim Spurwechsel, ein Einbahnstraßenschild als richtungweisend akzeptiert und glaubt, dass nun einmal links überholt wird, trägt ein zusätzliches Risiko: hoher Blutdruck hinterm Lenkrad.

Morgens auf dem Weg zur Arbeit geht es los. Während du fair das Auto hinten an den Stau anstellst, der sich vor der Auffahrt zur Schnellstraße gebildet hat, drängeln sich andere immer wieder vor und rein. Am schnellsten vorwärts kommt, wer die Nerven behält und beim Kampf um jeden Zentimeter nicht die Bremse drückt. Dein Blutdruck steigt vor Wut über die Schummler! Endlich auf der Schnellstraße geht es auf fünf Spuren flott voran: Die meisten fahren um die 120 Kilometer pro Stunde, das ist das Tempolimit. Wenn einer vor dir doch langsamer ist, fährst du einfach an ihm vorbei, egal ob rechts oder links. Den Blinker brauchst du nicht zu setzen, das macht hier keiner. Nie gewöhnen wirst du dich an die sechs Meter langen Geländewagen ganz in Weiß mit dunklen Scheiben, die mit 200 Sachen wie Geschosse durch den Berufsverkehr donnern und Spuren wechseln, als spielten die Fahrer ein Videospiel. Wenn sie passieren, lässt der Luftdruck dein Auto wackeln, dein Blutdruck steigt jetzt vor Schreck. Die Fahrer anderer Religionen sind im Vorteil: Der Moslem weiß, dass Allah seine Geschicke und damit indirekt das Auto lenkt (das islamistische Saudi- Arabien hat eine der höchsten Todesquoten im Verkehr weltweit). Die Hindus gehen davon aus, dass sie ohnehin wiedergeboren werden (vielleicht als Mercedes-Fahrer?). Die Katholiken können mal ordentlich gegen die Regeln verstoßen – man kann ja alles beichten.

Allerdings gibt es jetzt gute Nachrichten für uns: Der Fürst von Dubai lässt durchgreifen. Gestern morgen an der Auffahrt winkte ein Polizist einen der Schummler raus und verpasste ihm einen Strafzettel. Da stieg der Blutdruck wieder – diesmal vor Freude!

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben