Wirtschaft : BMG und Sony machen gemeinsam Musik

Bertelsmann Music Group und Sony Music bereiten Fusion vor und greifen Marktführer Universal an

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Berlin (mot). Bertelsmann und Sony bereiten sich auf die Fusion ihrer Musiktöchter zum zweitgrößten Plattenkonzern der Welt vor. Am Donnerstag sei eine entsprechende Absichtserklärung über die Zusammenlegung der Bertelsmann Music Group (BMG) und Sony Music unterzeichnet worden, sagte BertelsmannChef Gunter Thielen in Berlin. Erteilen die Kartellbehörden in den USA und der EU die Genehmigung, soll die Mega-Fusion in einigen Monaten besiegelt werden. „Die wesentlichen Punkte sind erledigt“, sagte Thielen. „Jetzt müssen wir noch Details klären und mit den Kartellbehörden sprechen.“ Der neue Branchenriese würde knapp hinter Marktführer Universal Music Platz zwei auf der Weltrangliste der größten Musikkonzerne einnehmen.

Das gemeinsame Unternehmen werde Sony BMG heißen, zu je 50 Prozent im Besitz von Bertelsmann und Sony sein und seinen Sitz in New York haben, teilte Bertelsmann mit. BMG brächte Künstler wie Britney Spears, Pink oder Eros Ramazotti in die Konzernehe ein. Sony Music hat unter anderem Celine Dion, Jennifer Lopez oder Oasis unter Vertrag. Nicht fusioniert werden sollen die Musikverlage, die Auslieferung sowie die Tonträger-Herstellung beider Unternehmen. Geführt werden soll das Unternehmen von Managern beider Konzerne. BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz wird Chairman of the Board (Verwaltungschef). Sony-Music-Chairman Andrew Lack soll Chief Executive Officer (Vorstandsvorsitzender) werden.

Gunter Thielen bekräftigte in Berlin, die Musiksparte bleibe ein Kerngeschäft des Gütersloher Medienkonzerns. Er räumte ein, dass ein Zusammengehen mit Sony Music notwendig sei, „weil der Markt so hart geworden ist, dass es ein einzelnes Musikunternehmen schwer hat“. Sony sei ein „starker und verlässlicher Partner“. Zusammen könnten BMG und Sony Music „erhebliche Kosten sparen“. Schmidt-Holtz kündigte an, dass beide Unternehmen um einen Stellenabbau „auf keinen Fall herumkommen“ werden.

Die fünf großen Konzerne Universal Music, Sony Music, EMI, Warner Music und BMG leiden seit Jahren unter rückläufigen Umsätzen im zweistelligen Bereich. Vor allem das illegale Herunterladen von Musik im Internet haben die Labels bisher nicht in den Griff bekommen. In den vergangenen fünf Jahren sank der Umsatz aus dem Verkauf von CDs von knapp 40 Milliarden Dollar auf 32 Milliarden Dollar. „Wir müssen weiter denken“, sagte Thielen am Donnerstag. Ohne eine Fusion mit Sony Music sei BMG gezwungen, sich aus zahlreichen Ländern zurückzuziehen und sich auf das Repertoire amerikanischer Künstler zu verlassen. „Zusammen mit Sony werden wir attraktiver und die Musik vielfältiger“, sagte Schmidt-Holtz.

Trotz des Größenunterschiedes zwischen Sony und BMG seien keine Ausgleichszahlung vereinbart worden. Bertelsmann hatte eine Verschmelzung unter Gleichen angestrebt. Frühere Gespräche über eine Fusion mit Warner Music scheiterten an diesem Punkt. Mittlerweile spricht Warner Music, Tochter des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner, mit dem britischen Musikkonzern EMI über eine Fusion.

Thielen wollte nicht darüber spekulieren, ob die Kartellbehörden eine zweite Großfusion in der Musikbranche genehmigen würden. Branchenexperten zufolge sichert der in nur fünf Wochen erzielte Verhandlungserfolg von Sony und BMG den Beteiligten bessere Chancen bei den Kartellwächtern.

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