Wirtschaft : Bmp AG: Berliner Risikokapitalgesellschaft überrascht mit roten Zahlen

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Der Berliner Risikofinanzierer Bmp AG schreibt aufgrund massiv gestiegener Wertberichtigungen bei seinen Beteiligungen rote Zahlen. Nach einem mit 600 000 Euro leicht positiven Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Jahr 1999 rutschte das Unternehmen im vergangenen Jahr mit 6,1 Millionen Euro in die Verlustzone. Der Umsatz stieg dagegen kräftig um 150 Prozent auf 48,9 Millionen Euro. Damit lagen die Berliner im Rahmen der Erwartungen. Von der hohen Risikovorsorge zeigten sich Analysten hingegen überrascht. "Von einem Verlust war bisher nicht die Rede", sagte Andreas Wiederhold von Independent Research, der das Papier am Mittwoch von "übergewichten" auf "marktneutral" herunterstufte. Bmp habe im Dezember 2000 lediglich mitgeteilt, dass das ursprüngliche Ergebnisziel von 0,15 Euro pro Aktie nicht erreicht werde, da man sich aufgrund der Marktschwäche nicht von liquidierbaren Beteiligungen trennen wolle. Nach der nun vorgenommenen Wertberichtigung liegt das Ergebnis bei minus 0,16 Euro je Aktie. Ungeachtet der schlechten Nachrichten griffen Anleger am Donnerstag zu: Nach dem Absturz an den Vortagen kletterte der Kurs um 5,4 Prozent auf 1,96 Euro.

Bmp teilte mit, der Vorstand habe wegen der schlechten Lage auf den Kapitalmärkten beschlossen, die Risikovorsorge von 3,3 Millionen Euro im Jahr 1999 auf 23,2 Millionen Euro zu erhöhen. Neben tatsächlichen Verlusten sei ein Teil davon jedoch bereits Vorsorge für mögliche Risiken im laufenden Jahr, sagte ein Sprecher. Die Einzelwertberichtigungen 2001 würden deshalb deutlich geringer ausfallen. "Wir gehen davon aus, dass wir mit den aktuellen Wertberichtigungen alle Risiken abgedeckt haben." Ohne die Millionen-Abschreibungen stieg der Ertrag um 272 Prozent auf 17,1 Millionen Euro. Bmp ist nach eigenen Angaben zurzeit an 54 Unternehmen vor allem aus dem Bereich E-Business und Life Science beteiligt. Die bislang genannte Zahl von rund 80 Beteiligungen wurde um Doppelzählungen und die Zusammenfassung von Fonds-Beteiligungen bereinigt. Das Investitionsvolumen wird auf 100 Millionen Euro beziffert. 2001 plant Bmp Neu-Beteiligungen im Volumen von 25 bis 50 Millionen Euro.

Man sei beim Ausmaß der Vorsorge "extrem vorsichtig" vorgegangen, weil nicht ausgeschlossen sei, dass einige Beteiligungsfirmen die zweite Finanzierungsrunde nicht überstehen könnten. "Der IPO-Kanal ist dicht", sagte der Sprecher. Von den für 2000 angekündigten vier bis fünf Börsengängen (IPO) aus dem Bmp-Beteiligungsportfolio sei nur ein einziger realisiert worden. Im laufenden Jahr wolle das Unternehmen wiederum eine Beteiligung an die Börse bringen und weitere fünf verkaufen.

Der Vorstand sei zuversichtlich, das Jahr 2001 "deutlich positiv abzuschließen". Die Finanzlage sei "hervorragend", erklärte Vorstandschef Oliver Borrmann. Er verwies auf liquide Mittel, offene Forderungen und sofort veräußerbare Aktienpakete im Wert von 50 Millionen Euro. Eine genaue Ertrags- oder Umsatzprognose für 2001 wollte er nicht abgeben. Kostensenkungen um 25 Prozent sollen die Bmp AG, an der die Unternehmensberatung Roland Berger zehn Prozent der Anteile hält, profitabler machen. Da sich der Markt für Risikokapitalgeber mit Firmenpleiten derzeit konsolidiert, denkt Bmp auch über Übernahmen nach. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen ein entsprechendes Aktienrückkaufprogramm.

Skeptisch kommentierte Independent-Research-Analyst Andreas Wiederhold die vorgelegten Zahlen: "Nachdem bereits im letzten Jahr die Ergebnisprognose verfehlt wurde, dürfte nach der nochmaligen Verfehlung das Anlegervertrauen auf Null gesunken sein." Man werde Bmp künftig noch kritischer unter die Lupe nehmen als bisher. Der bislang positive Eindruck, den man von Bmp gewonnen habe, sei merklich eingetrübt. Anlegern, die wegen des starken Kursrückgangs an der Aktie interessiert seien, riet Wiederhold zur Vorsicht. Bmp bleibe eine überdurchschnittlich riskante Aktie.

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