Wirtschaft : BMW: Aktionäre zollen dem Automobil-Konzern Respekt

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Für die Aktionäre der Bayerische Motoren Werke (BMW) AG, München, ist die Welt wieder in Ordnung. Das Management um BMW-Chef Joachim Milberg verdiene nach der Trendwende von Rekordverlusten zu Rekordgewinnen "Respekt und Anerkennung", lobte am Dienstag der Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider, vor 5000 Mitaktionären zur Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle. "In Stuttgart werden einige neidvoll nach München blicken," vermutete er mit Blick auf die anhaltenden Probleme von Daimler-Chrysler mit ihrem US-Konzernteil.

Auch für die nahe Zukunft sind die BMW-Aktionäre wieder zuversichtlich, nachdem sie im Vorjahr auf das Desaster um die inzwischen abgestoßene Tochter Rover noch mit beißender Kritik reagiert hatten. Skeptisch waren vereinzelte Aktionärsvertreter nur hinsichtlich der BMW-Kleinwagenstrategie mit dem bereits in Großbritannien vom Band laufenden neuen Mini und dem für 2004 angekündigten 1er-BMW, deren künftigen Erfolg sie anzweifeln. Zudem sollten die BMW-Vorzugsaktien "als Dinosaurier der heutigen Finanzlandschaft" abgeschafft werden, meinte eine Aktionärin.

Selbstbewusst präsentierte sich Milberg der Hauptversammlung. BMW wachse dieses Jahr nach jüngsten Quartalsrekorden weitgehend unabhängig von der allgemein abflauenden Branchenkonjunktur. Bis in den Mai hinein liege die Absatzsteigerung bei gut neun Prozent, das sind 375 000 Autos. Das Gesamtjahr werde weitere Steigerungen bei Absatz, Umsatz und Ertrag bringen. Konkrete Prognosen lehnte Milberg ebenso ab wie eine baldige Abschaffung der BMW-Vorzugsaktien. Mittelfristig baut er auf eine anhaltende Produktoffensive, für die BMW bis 2007 gut 31 Milliarden Mark investiert. Darin enthalten ist eine Milliarde Mark zum Aufbau eines neuen Werks, für den BMW europaweit einen Standort sucht. Gelder, die noch vor kurzem zur ehemaligen britischen Krisentochter Rover geflossen seien, kämen nun den verbliebenen Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zugute. BMW entledigt sich zudem der letzten Lasten aus seinem fehlgeschlagenen Engagement in Großbritannien. Milberg sagte, der Autohersteller stehe kurz vor dem Verkauf des britischen Getriebe- und Motorenwerks "Powertrain" nahe dem Rover-Werk in Longbridge. Es werde noch mit mehreren Kaufinteressenten verhandelt, sagte ein Konzern-Sprecher. BMW hatte die Zulieferfabrik ebenso wie das Presswerk im britischen Swindon vor einem Jahr nicht mit an MG Rover verkauft, obgleich beide hauptsächlich Rover und der an Ford verkaufte Geländewagenmarke Land Rover zuliefern. BMW hatte Powertrain und Swindon zuletzt als strategisch nicht mehr bedeutend bezeichnet und zum Verkauf gestellt. "Ich gehe davon aus, dass wir in Kürze zu einem Ergebnis kommen werden", sagte Milberg.

Die Investitionsquote bei BMW liegt derzeit bei sechs bis sieben Prozent vom Umsatz, die Entwicklungsquote bei fünf Prozent. Damit will Milberg unter dem Kürzel X eine Geländewagenfamilie schaffen, eine neue 6er-Reihe mit Coupé und Cabrio, den 1er BMW und ab 2003 im Topsegment auch ein neues Modell auf den Markt bringen. Der Mini sei bereits dieses Jahr erfolgreich gestartet und könnte künftig zu einer eigenen Kleinwagenfamilie ausgebaut werden.

Bis Ende April 2001 hatte BMW den Absatz um 10,5 Prozent auf 297 000 Fahrzeuge ausgebaut. Auf dem schwachen deutschen Markt verkaufte BMW 84 800 Autos, knapp fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Für das erste Quartal hatte BMW kürzlich einen Überschuss von 409 (87) Millionen Euro ausgewiesen. Trotz der Verluste bei Rover hatte der Münchener Konzern für 2000 Rekorde bei Umsatz und Gewinn ausgewiesen. Der Kurs der BMW-Aktie legte am Dienstag in einem behaupteten Börsenumfeld 0,7 Prozent auf 40,56 Euro zu.

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