Wirtschaft : BMW: Autobauer investieren zehn Milliarden in den Aufbau Ost

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VW, Mercedes-Benz, Opel, Porsche und BMW - die großen deutschen Autokonzerne sind demnächst mit eigenen Fabriken in Ostdeutschland präsent. Gut zehn Milliarden Mark haben die Unternehmen sowie ihre Zulieferer seit der Vereinigung in Ostdeutschland investiert. Mit steigender Tendenz: Nach Angaben des Verbandes der Autoindustrie investierte die Branche im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden Mark - das entsprach rund elf Prozent aller ostdeutschen Industrie-Investitionen. Den Trend nach oben belegen auch die Produktionszahlen. Etwa 2,7 Millionen Fahrzeuge sind in den vergangenen zehn Jahren in den neuen Ländern produziert worden, davon allein 400 000 im Jahr 2000. Verglichen mit Westdeutschland ist das allerdings noch eine bescheidene Größe. In Wolfsburg, Rüsselsheim, München, Ingolstadt, Sindelfingen und vielen anderen westdeutschen Produktionsstandorten wird noch mehr als das Zehnfache produziert.

Doch die Zukunft liegt offenbar im Osten. Zwar baut Opel in Rüsselsheim ein neues Werk am alten Standort. Doch die letzte große Standortentscheidung für ein ganz neues Montagewerk in Westdeutschland liegt mit der Mercedes-Fabrik Rastatt - wo heute die A-Klasse gebaut wird - rund zehn Jahre zurück. Dagegen ging es in den neuen Ländern beinahe Schlag auf Schlag: Kurz nach der Wende übernahm VW den Trabant-Traditionsstandort Mosel bei Zwickau, baute dort zunächst den Polo, später kamen Golf und Passat hinzu. VW investierte mehr als drei Milliarden Mark in Sachsen. Mitte der 90er Jahre baute Opel für rund eine Milliarde Mark ganz neu in Eisenach auf der Grünen Wiese, dort wird der Kleinwagen Corsa montiert. Und in absehbarer Zeit nehmen Porsche ein Geländewagenwerk in Leipzig (Investitionsvolumen 100 Millionen Mark) und VW die "Gläserne Manufaktur" für Luxusautos in Dresden in Betrieb.

Vor allem der Südosten zieht die Investoren an. Zu rund zwei Dritteln ist die ostdeutsche Autoindustrie in Sachsen und Thüringen angesiedelt, wo bereits vor hundert Jahren mit Horch und Wartburg Autogeschichte geschrieben wurde. Und wo die Hersteller sind, siedeln sich auch Zulieferer an: Vor allem in Plauen, Zwickau, Chemnitz, Eisenach und Gotha sitzen Lieferanten. Nach Angaben des Verbandes der Autoindustrie haben Zulieferer mit Sitz in Ostdeutschland zuletzt knapp zehn Milliarden Mark umgesetzt. Noch immer ziemlich schwach ausgeprägt ist dagegen die Exportorientierung. Heute liegt der Exportanteil am Umsatz der ostdeutschen Zulieferer bei rund 20 Prozent und damit immerhin deutlich über dem Niveau von vor fünf Jahren.

Mit rund 240 000 Golf und Passat im Jahr ist VW-Mosel das größte ostdeutsche Autowerk. Zusammen mit dem Motorenwerk in Chemnitz (im vergangenen Jahr knapp 600 000 Motoren) kam VW 2000 in den neuen Ländern auf einen Umsatz von 7,5 Milliarden Mark. Der thüringisch-sächisischen Landeszentralbank zufolge waren in beiden Bundesländern zuletzt rund 25 000 Personen mit der Herstellung von Kraftfahrzeugen und deren Teilen befasst. Die Exportquote lag bei deutlich über 30 Prozent. "Die Autoindustrie hat somit das Potenzial, den wirtschaftlichen Aufholprozess in Sachsen auf absehbare Zeit weiterhin entscheidend voranzubringen", schreibt die LZB in ihrem jüngsten Monatsbericht. Nach der BMW-Entscheidung gilt das um so mehr.

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